Kampf für Frieden

Pazifistische Theologin Antje Vollmer ist tot

Antje Vollmer kämpfte ihr Leben lang für Frieden und für die Gleichstellung von Frauen. Die ehemalige deutsche Grünen-Politikerin starb nach langer Krankheit.

Die Grünen-Politikerin und frühere Vizepräsidentin des deutschen Bundestags, Antje Vollmer, ist am Mittwoch im Alter von 79 Jahren gestorben. Die promovierte evangelische Theologin und Pastorin gehörte dem Parlament ab 1983 an und war von 1994 bis 2005 als erste grüne Politikerin Vizepräsidentin des Bundestags.

Zuletzt war Vollmer mit ihrem Engagement gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und für eine Verhandlungslösung aufgefallen. Bereits 2014, kurz nach der russischen Besetzung der Krim, hatte sie vor einem Krieg mit Russland gewarnt. Im Februar dieses Jahres unterschrieb sie das umstrittene «Manifest für den Frieden» der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und der Publizistin Alice Schwarzer, welches zu Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien aufruft. Ihre pazifistische Grundhaltung brachte Vollmer auch in ihrem als politisches Vermächtnis zu verstehenden Essay zum Ausdruck, der vor wenigen Wochen in der Berliner Zeitung erschien.

Häufig gegen die Linie der Partei

Vollmer hat sich während ihrer politischen Laufbahn aus einer pazifistischen Grundhaltung heraus mehrfach gegen die Linie ihrer Partei gestellt und sich etwa gegen den Einsatz der Nato im Krieg in Jugoslawien und gegen den Afghanistan-Krieg gewandt. Sie beschäftigte sich ihr Leben lang mit der deutschen NS-Vergangenheit und dem Widerstand gegen das Nazi-Regime, über den sie nach ihrer politischen Laufbahn auch als Publizistin arbeitete. Sie setzte sich für die Entschädigung der Opfer ein, so etwa von Zwangsarbeitern und Homosexuellen.

Die Grünen-Politikerin suchte immer wieder die Rolle der Vermittlerin und Moderatorin, zum Beispiel, als sie 2009 den Vorsitz des Runden Tisches Heimerziehung übernahm, an dem die Verbrechen an Heimkindern in der frühen Bundesrepublik aufgearbeitet wurden. Im Anschluss wurde ein Fonds zur Unterstützung der Betroffenen gegründet.

Glaube als Fundament ihres Handelns

In zahlreichen Reaktionen wurde Antje Vollmer als leidenschaftliche und profilierte Politiker gewürdigt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb, es sei der «engagierten Theologin» stets um die Menschen gegangen. «Ihr tiefer Glaube war das Fundament ihres Handelns und auch ihres Schreibens und machte sie zur leidenschaftlichen Demokratin und ebenso leidenschaftlichen Europäerin.» Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) würdigte Vollmer auf Twitter als «engagierte Vorkämpferin für echte Gleichstellung und mutige Mahnerin mit klarer Haltung».

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, kondolierte mit den Worten, Vollmer habe «Enormes bewirkt und viele Menschen bewegt». Sie habe besonders beeindruckt, «wie konsequent und unbeirrt sich Antje Vollmer eingesetzt hat für Menschen, denen schweres Unrecht zugefügt wurde und die keine Lobby in unserer Gesellschaft haben».

Vollmer wurde im westfälischen Lübbecke geboren und lebte viele Jahre in Bielefeld. Sie hinterlässt einen Sohn. (epd/eba)