Reformierte Kirche Ungarn

Pädophilie-Skandal zwingt Kirchenchef zum Rücktritt

Der oberste Reformierte in Ungarn, Bischof Zoltan Balog, hat seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er hatte die Begnadigung eines Mannes befürwortet, der im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch verurteilt worden war.

Ein enger Weggefährte Viktor Orbans: Bischof Zoltan Balog auf einer Veranstaltung in Deutschland im Jahr 2012. (Bild: Hendrik Schmidt / Keystone)

Ein Skandal um Pädophilie zieht in Ungarn immer weitere Kreise. Nun ist der Chef der Reformierten Kirche Ungarns, Bischof Zoltan Balog, wegen der Verwicklung in die Affäre zurückgetreten. Vergangene Woche hatte auch Staatspräsidentin Katalin Novak ihr Amt niedergelegt. Balog soll Novak dabei unterstützt haben, einen Mann zu begnadigen, der wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von Minderjährigen verurteilt worden war.

Der Skandal erschüttert die Menschen in Ungarn. Trotz der Rücktritte demonstrierten am Freitagabend örtlichen Medien zufolge Zehntausende in der Hauptstadt Budapest. Sie legten eine U-Bahn-Linie teilweise lahm. Die Demonstranten machten die Regierung des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orban für die Zustände in den Kinderheimen und für den Umgang der Behörden mit Gewaltstraftaten gegen Kinder verantwortlich.

Massive Kritik nach Schuldeingeständnis

Balog war jahrzehntelang ein enger und einflussreicher politischer Weggefährte Orbans. Von Mai 2012 bis Mai 2018 war er Minister für Humanressourcen, zuständig für Gesundheit, Soziales, Jugend, Bildung, Kultur und Sport. Der Kirche stand er seit 2021 als pastoraler Präsident der Synode vor, zusammen mit einem weltlichen Co-Präsidenten. Zugleich ist er Bischof von einem der vier Kirchenbezirke Ungarns. Dieses Amt behält er vorerst.

Balog räumte nach Novaks Rücktritt ein, dass er als ihr Berater und langjähriger Mentor die umstrittene Begnadigung befürwortet hatte. Daraufhin geriet er massiv in die Kritik – auch in den regierungsnahen Medien des Landes.

Kirche als konservativer Faktor

«Ich habe einen schweren politischen Fehler gemacht, allerdings in einer Begnadigungsfrage. Ich habe um Gnade gebeten», sagte Balog in einer Video-Ansprache, die auf der Homepage der Reformierten Kirche veröffentlicht wurde. Er begründete seinen Rücktritt damit, dass der Fall dem Ansehen seiner Kirche schade. Die Reformierte Kirche calvinistischer Ausrichtung ist in Ungarn seit Jahrhunderten ein prägender – zuletzt vor allem konservativer – Faktor in Politik und Kultur.

Balog ist die dritte Person des öffentlichen Lebens, die im Zuge dieses Skandals zurücktritt. Neben Präsidentin Novak hatte auch die für die umstrittene Begnadigung mitverantwortliche damalige Justizministerin Judit Varga alle Ämter niedergelegt: Sie gab ihr Mandat im ungarischen Parlament zurück und sieht zudem von der geplanten Kandidatur für das EU-Parlament ab.

Die Reformierte Kirche in Ungarn umfasst rund 1200 Gemeinden. Sie ist unter anderem Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), in der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) und in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). (sda/ dpa/ no)