Rat der Religionen gibt zu reden
Nach dem hohen Besuch vom Vortag wandten sich die Synodalen an Tag zwei ihrer Versammlung den Alltagsgeschäften zu. Zunächst stand die Antwort des Rates auf eine Interpellation des Zürcher Kirchenratspräsidenten Michel Müller auf dem Programm. Müller hatte beanstandet, dass die Aufnahme freikirchlicher Verbände in den Rat der Religionen zu Spannungen bei der Repräsentation der reformierten Kirchen führe (ref.ch berichtete).
So sei zwar zu begrüssen, dass die Freikirchen nun auch in dem interreligiösen Gremium vertreten seien, so Müller. Problematisch sei jedoch, dass der Verband Evangelischer Freikirchen (VFG) und die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) von ein und derselben Person im Rat vertreten würden. Zur SEA gehören viele evangelisch-reformierte Kirchgemeinden. Dadurch sei unklar, wer denn eigentlich für die reformierten Kirchen im Rat spreche.
Rat muss nacharbeiten
In ihrer Antwort betonte Ratspräsidentin Rita Famos, dass die Aufnahme der Freikirchen das Ergebnis eines zweijährigen Prozesses sei. Insbesondere die jüdischen und muslimischen Vertreter im Rat seien der Meinung gewesen, dass ein interreligiöser Dialog nicht ohne Teilnahme der Freikirchen geführt werden könne. Im Rat sitze aber nur ein Freikirchen-Vertreter, die Gefahr einer Doppelvertretung bestehe nicht. Gegenüber den Freikirchen werde man zudem klar kommunizieren, wer die reformierten Kirchen vertrete, so Famos.
Mit dieser Antwort gab sich der Interpellant allerdings nicht zufrieden. Die Unschärfe bleibe bestehen, so Müller. Zudem müssten die freikirchlichen Verbände dabei unterstützt werden, klarere Strukturen zu finden. Eine weitere Diskussion der Interpellation wurde in der Synode nicht gewünscht. Die Exekutive soll sich aber nochmals mit der Frage der Repräsentation befassen.
An der Sommersynode 2022 steht die Neuwahl der Exekutive der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz an. Bereits jetzt kündigten sechs der insgesamt sieben Ratsmitglieder an, sich für die Amtsperiode 2023 bis 2027 zur Wiederwahl zu stellen. Lediglich Ulrich Knoepfel wird nicht mehr kandidieren. Im Februar dieses Jahres hatte Knoepfel bereits seinen Rücktritt als Kirchenratspräsident der Glarner Landeskirche bekannt gegeben. Die Mitglieder des EKS-Rates werden in geheimer Wahl bestimmt. (no)
Im Weiteren beriet die Synode das Budget 2022. Dieses rechnet mit einem Aufwandüberschuss von rund 100'000 Franken. Grund dafür ist die Beteiligung der EKS bei der Finanzierung der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe im kommenden Jahr. Frühere Versammlungen wurden durch ausserordentliche Beiträge der Mitgliedskirchen finanziert. Nach mehreren guten Geschäftsjahren wolle der Rat nun einen Teil der Finanzierung mit dem eigenen Organisationskapital leisten.
EKS soll über Mission debattieren
Das Budget fand in der Synode keinen Widerspruch. Allerdings wünschten sich mehrere Synodale grundsätzlich mehr Transparenz beim Voranschlag. Es sei hilfreich, wenn bei der Präsentation des Budgets jeweils bereits Zahlen aus dem laufenden Rechnungsjahr vorlägen. Dieser Antrag wurde grossmehrheitlich angenommen.
Zudem genehmigten die Abgeordneten einen Antrag, wonach die Synode eine vertiefte Diskussion über die Rolle der Missionsorganisationen führen soll. Debattiert werden soll unter anderem über die Verantwortung der Kirche bei der evangelischen Missionstätigkeit. Die Jahresberichte 2020 der Missionswerke DM-échange und Mission 21 wurden zur Kenntnis genommen, ebenso der Jahresbericht der Koordinationskonferenz der Missionsorganisationen und EKS (KME).
Die nächsten Synoden finden vom 12. bis 14. Juni 2022 im Wallis und am 7. und 8. November 2022 in Bern statt.