Neue oeku-Geschäftsleiterin

Im Einsatz für einen grüneren Planeten

Stabübergabe bei der kirchlichen Umweltschutz-Fachstelle oeku: Milena Hartmann übernimmt die Geschäftsleitung von Kurt Zaugg-Ott, der in Pension geht. Beiden gemein ist ihr genuines Interesse für Ökologie in der Kirche.
Auch evangelisch-reformierte Kirchen, hier jene von Trin in Graubünden, lassen ihre Dächer mit Solarzellen decken, um ökologischer zu wirtschaften. (Bild: Gian Ehrenzeller/ Keystone)

Für Milena Hartmann ist zusammengekommen, was zusammengehört. «Ich habe einen so grossen Teil meiner Freizeit für den Umweltschutz investiert, dass ich gespürt habe, ich muss meine Berufung zum Beruf machen», erzählt sie im Gespräch mit ref.ch. Gedacht, getan.

Hartmann liess sich zur Natur- und Umweltfachfrau ausbilden und nahm im Frühjahr 2022 eine Stelle an als kirchliche Umweltbeauftragte bei der Fachstelle oeku (ökumenisch-kirchliche Umweltarbeit). Vor rund einem Jahr wurde sie Co-Geschäftsleiterin gemeinsam mit dem langjährigen Leiter Kurt Zaugg-Ott. Nach seiner Pensionierung verantwortet die Bernerin ab dem 1. März die Geschäftsführung allein (siehe Kasten). 

Zur Person

Milena Hartmann hat an der Universität Luzern einen Master in Weltgesellschaft und Weltpolitik abgeschlossen, zudem ist sie Natur- und Umweltfachfrau mit eidgenössischem Fachausweis. Bevor die 34-Jährige zur oeku wechselte, war sie Fachexpertin für Integration und Migration beim Kanton Solothurn sowie Projektleiterin bei der Caritas Aargau.

Ihr Vorgänger Kurt Zaugg-Ott war 27 Jahre im Amt, Hartmann übernimmt die Geschäftsstelle offiziell am 1. März 2025. Hartmann wohnt in Bern, ist häufig mit dem Velo unterwegs und bezeichnet sich als «Klimatarierin», also als Person, die Schweizer Fleisch gelegentlich mit Genuss konsumiert. (jow)

Bild: Christoph Knoch

Die 34-Jährige hat einen Master in Weltgesellschaft und Weltpolitik und Religionswissenschaften im Nebenfach studiert. Ihre Grossmutter ist gläubig, ihre Mutter Sozialdiakonin und Katechetin. In der Familie sei der reformierte Glaube gelebt worden, sagt Hartmann. 

Ihr theologisches Fachwissen eignet sich Hartmann in einem Kurs von Refbejuso an, zudem arbeiten auf der oeku-Fachstelle eine Theologin und ein Theologe. Ihr Engagement als Geschäftsleiterin sehe sie als grosse Chance, auch weil sie spüre, wie alle im Team und im Vorstand mit Herzblut dabei seien. 

Treibhausgas-Ausstoss überprüfen

Hartmanns Vorgänger Zaugg-Ott war 27 Jahre im Amt. Es gelte, grosse Fussstapfen auszufüllen und neue Spuren zu hinterlassen, sagt sie. Wie diese aussehen, kann sie zur Zeit noch nicht sagen. Gegenwärtig ist sie stark im Tagesgeschäft eingebunden und damit beschäftigt, die neuen Strukturen zu verankern. 

«Wir überprüfen unser Kursangebot, bereiten das 40-Jahr-Jubiläum vom kommenden Jahr vor, beraten Kirchgemeinden zu umweltfreundlicherem Wirtschaften, organisieren Fachtagungen», zählt Hartmann Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag auf. 

Die oeku arbeitet zudem an Empfehlungen für Treibhausgas-Bilanzen. Damit könnten Kirchgemeinden ihren eigenen Treibhausgas-Ausstoss errechnen und erkennen, wo es Potenzial gäbe, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Auskunft geben Hartmann und ihre Kolleginnen auch über Praxisfragen beim Gebäudeunterhalt, etwa Tipps zum Energiesparen. Und sie verleihen den «Grünen Güggel», das Umweltlabel, das es in der Schweiz seit zehn Jahren gibt. 

Politik gehört zum Kernauftrag

Zu Hartmanns Arbeit gehören aber auch umweltpolitische Stellungnahmen. Diese gibt die oeku mit Partnerorganisationen wie der Koalition «Christ:innen für Klimaschutz» heraus – ein teilweise strittiges Engagement. «Unser Auftrag zur politischen Kommunikation ist in unseren Statuten festgeschrieben», sagt Hartmann und betont, es gehe nie um politisches Polarisieren, sondern darum, in Sachgeschäften inhaltlich Stellung zu beziehen. 

40 Jahre Engagement

Die oeku ist ein Verein für ökumenische kirchliche Umweltarbeit für die deutsch- und französischsprachige Schweiz. Sie leistet Vernetzungsarbeit und setzt sich als christliche Organisation für aktiven Umweltschutz ein.

Das bekannte Label «Grüner Güggel», das die Fachstelle vergibt, zeichnet Kirchgemeinden für die Verbesserung ihrer Umweltbilanz aus. Die oeku wurde 1986 gegründet, sie besteht also bald vierzig Jahre. Aktuell hat sie rund 700 Einzel- und Kollektivmitglieder, dazu zählen auch verschiedene Landes- oder Freikirchen. (jow)

«Die Gesellschaft zu beeinflussen heisst, politisch zu sein», meint sie. Mit den Positionspapieren schärfe die oeku ihr Gesicht und bekenne Farbe in der Aussenwahrnehmung. «Wir möchten damit auch zum Denken anregen». 

Und wie steht es um die Finanzierung ihrer Arbeit? Die oeku sei einigermassen gut aufgestellt, auch wenn die Gelder knapp bemessen seien. «Wir sind uns des Risikos bewusst, neue Einnahmequellen erschliessen zu müssen und überlegen uns verschiedene Szenarien», sagt die Geschäftsleiterin. Sie freue sich jedenfalls auf die anstehenden Aufgaben und nehme diese Herausforderung optimistisch an. 

Allein, ökologischeres Handeln lässt sich nicht erzwingen. Wie ihr Vorgänger Kurt Zaugg-Ott sieht sich auch Milena Hartmann nicht als Extremistin. «Aber die Weltenverbesserin habe ich in mir. Ich setze mich ein für eine gerechtere und hoffnungsvollere Welt und versuche, dort etwas zu beeinflussen, wo es mir möglich ist», sagt sie. 

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