Naegelis Totentanz bleibt wohl unvollendet

Nachdem Graffitipionier Harald Naegeli im Grossmünster über die Markierungen hinaus gesprayt hatte, kam es am Dienstag zur Aussprache mit dem Zürcher Baudirektor Markus Kägi. Dieser droht damit, das Werk zu entfernen, sollte sich der Künstler nicht an die Vorgaben halten.


Bis Ende Januar wollte Graffiti-Künstler Harald Naegeli seinen Totentanz im Zürcher Grossmünster fertigstellen. Nun aber könnte das Kunstwerk unvollendet bleiben. Nachdem der Künstler im Dezember über die vorgegebenen Markierungen hinausgesprayt hatte, zitierte ihn Baudirektor Markus Kägi am 8. Januar zu einer Aussprache.

Demnach zeigte sich Kägi enttäuscht darüber, dass Naegeli sich nicht an die Vereinbarungen mit dem Kanton gehalten habe. Dabei machte der Baudirektor klar, das ganze Werk entfernen zu lassen, sollte der Künstler den Perimeter noch einmal überschreiten, wie die NZZ am 9. Januar berichtet.

Vorschriften gehen vor Schönheit

Laut Naegeli ist damit das ursprüngliche Konzept des Totentanzes gefährdet. Dieses sieht offenbar weitere Überschreitungen des Sprayperimeters vor. «Mein ursprüngliches Konzept kann ich nun nicht mehr umsetzen. Das ist deprimierend», sagt Naegeli gegenüber ref.ch.

Im vorgesehenen Rahmen sei dem Werk aber nicht mehr viel hinzuzufügen. «Es ist schade, dass Herr Kägi nicht einsehen will, dass die Schönheit meiner Figuren wichtiger ist als seine Vorschriften», sagt Naegeli. Da das Werk Fragment geblieben sei, werde nun auch keine Vernissage stattfinden. Diese war ursprünglich auf den 25. Januar angesetzt worden.

Damit widerspricht Naegeli dem Wunsch von Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist. Dieser interpretierte die Aussprache zwischen dem Künstler und dem Baudirektor offenbar anders. Demnach habe Naegeli eingesehen, dass es ein Privileg sei, in dem historischen Bauwerk sprayen zu dürfen. Er werde sein Werk nun im vereinbarten Rahmen vollenden können, wird Sigrist in der NZZ zitiert. (no)