Deutschland

Nach Drohungen: Pfarrer unterstützt Gedenkstättenleiter

Weil er in einem Brief die Bevölkerung Thüringens vor der AfD warnte, wird der Leiter der Gedenkstätte KZ Buchenwald bedroht. Der Pfarrer der Dachauer Versöhnungskirche stellt sich nun hinter ihn.

Der Leiter der Gedenkstätte KZ Buchenwald, Jens-Christian Wagner, erhält nach Angriffen Unterstützung aus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Leiter der zentralen Gedenkkirche der EKD für die Opfer des Nationalsozialismus, Pfarrer Björn Mensing von der Dachauer Versöhnungskirche, kritisierte die Angriffe gegen Wagner vor den Medien scharf und solidarisierte sich mit ihm. Der Pfarrer forderte die Menschen in Thüringen und Sachsen auf, eine «demokratische Partei und ihre Kandidaten» zu wählen.

Der Gedenkstättenleiter hatte einen Brief an 350'000 Haushalte in Thüringen verschickt. Darin warnte er die Stimmberechtigten vor der am rechten Rand politisierenden AfD: Die Partei betreibe «Geschichtsrevisionismus». Wagner gehört zu den Unterstützern einer Kampagne, die ein AfD-Verbotsverfahren fordert.

Nach dem Versand der Briefe erhielt Wagner eine grosse Anzahl von Drohungen. Zudem klebten bislang unbekannte Täter ein Porträt des Gedenkstättenleiters auf eine Stele, die an die Opfer der Todesmärsche aus den Lagern des KZ-Komplexes Mittelbau-Dora während des Zweiten Weltkriegs erinnert.

Die Landtagswahl in Thüringen findet am 1. September statt. Prognosen gehen davon aus, dass die AfD in diesem Bundesland rund 30 Prozent der Stimmen erhalten und stärkste Kraft im Landtag werden wird. Seit 2021 gilt die AfD Thüringen als «erwiesen rechtsextrem». (epd/ dst)