«Mitten aus dem Leben gerissen»: Lorenz Marti ist tot

Am 27. Mai ist der Berner Schriftsteller und ehemalige Radioredaktor Lorenz Marti im Alter von 68 Jahren gestorben.


Lorenz Marti sei «am Ende eines schönen Tages» unerwartet aus dem Leben gerissen worden, schrieb seine Familie in der Todesanzeige.

Lorenz Marti schrieb über «Spiritualität ohne Religion». (Bild: Lorenz Marti/wikipedia)

Marti studierte Geschichte und Politik. Eher zufällig kam er 1977 zur Religionsredaktion des Schweizer Radios. Dort hätten ihn die «unergründlichen Tiefen des Themas» gepackt, schrieb der «Tages-Anzeiger» einst über ihn. Die Religion und die Spiritualität liessen ihn nicht mehr los. Marti blieb bei der Religionsredaktion bis zu seiner Pensionierung 2012. Zudem verfasste er mehrere Bücher zum Thema.

«Spiritualität für freie Geister»

Sein letztes Werk «Türen auf! Spiritualität für freie Geister» erschien 2019 und war laut Marti sein «persönlichstes Buch». Auch mit der Verbindung von Naturwissenschaft und Spiritualität oder der Mystik beschäftigte sich Marti in seinen Büchern («Eine Hand voll Sternenstaub», «Übrigens, das Leben ist schön»).

Marti unterschied dabei Spiritualität und Religion. Spiritualität definierte er gegenüber dem «Tages-Anzeiger» als «viel offener und befreiender». So war er auch nicht einer Religionsgemeinschaft verpflichtet, sondern suchte eine «Spiritualität ohne Religion». Dabei sah er es als «Gewinn», dass die Kirchen kein Deutungsmonopol mehr hätten, er schätzte die Freiheit in Sachen Religion.

Marti erreichte mit seinen Radiosendungen und Büchern ein breites Publikum. Einige Werke wurden ins Chinesische, Koreanische oder Brasilianische übersetzt. Daneben schrieb er auch als Kolumnist für die reformierte Berner Kirchenzeitung «Saemann», später «reformiert.».

Lorenz Marti war der Sohn des 2017 verstorbenen Berner Pfarrers und Schriftstellers Kurt Marti. Er lebte mit seiner Frau in Bern und war Vater einer Tochter. (sda/mos)