Missbrauchsskandal: Schweizer Theologinnen appellieren an Bischofskonferenz

Feministische Theologinnen kritisieren, dass der Schutz der katholischen Institution über dem Schutz der Missbrauchsopfer stehe. Sie fordern die Schweizer Bischofskonferenz zum Handeln auf.


Die ökumenische Interessensgemeinschaft Feministischer Theologinnen sieht den Hauptgrund der zahlreichen Missbrauchsskandale der römisch-katholischen Kirche in ihrem Klerikalismus. Obwohl die ersten Fälle schon in den Neunzigerjahren publik wurden, werde heute immer noch zu viel institutioneller «Schadensbegrenzung» betrieben, heisst es in einer Stellungnahme der Interessensgemeinschaft vom 3. September: «Oberstes Ziel, so scheint es, ist der Schutz der Institution Kirche und nicht der Schutz der Menschen.»

Klerikale Strukturen benennen

Diese Haltung habe System System, schreiben die Theologinnen. Die Kirche schütze stets die klerikale Hierarchie; sei es bei der Priesterweihe, wo weder Frauen noch verheiratete Männer zugelassen sind, oder mit der Ablehnung von Kondomen, die eine weltfremde Sexualmoral aufrechterhalte.

Die Interessensgemeinschaft ruft die Bischofskonferenz dazu auf, klerikale Strukturen zu überdenken und sie als Faktoren des Machtmissbrauchs zu benennen. Weiter fordern die Theologinnen Massnahmen für tiefgreifende Strukturreformen, die über Sexualkurse für Priester hinausgehen.

Die ökumenische Interessengemeinschaft Feministischer Theologinnen der deutschen Schweiz und Liechtensteins wurde 1991 gegründet. Sie vernetzt gemäss eigenen Angaben feministische Theologinnen, um die Anliegen feministischer Theologie in den Kirchen und in der Gesellschaft zu vertreten. (pd)