Migrationsforscher gewinnt Latsis-Preis

Der Migrationsforscher Dominik Hangartner ist mit dem nationalen Latsis-Preis ausgezeichnet worden. Er analysiert die Auswirkungen von Migrationspolitik und schlägt Verbesserungen vor.


«Wir zeigen datenbasiert und computergestützt, was im Migrationsbereich funktioniert und was verbessert werden kann», sagte Dominik Hangartner von der ETH Zürich und der London School of Economics gemäss einem Schreiben des Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

Der Nationalfonds lobte in einer Mitteilung seine exzellente empirische Forschung, die beispielhaft zeige, was die Sozialwissenschaften im 21. Jahrhundert leisten könnten. Dafür verleiht ihm der SNF den mit 100’000 Franken dotierten Nationalen Latsis-Preis.

Zusammen mit seinem Team habe Hangartner beispielsweise zeigen können, dass sich Menschen, deren Einbürgerungsgesuch knapp angenommen wurde, schneller und umfassender in die Schweizer Gesellschaft integrierten als solche, deren Gesuch knapp abgelehnt wurde. Seit vergangenem Jahr testet sein Team zudem gemeinsam mit dem Staatssekretariat für Migration einen Algorithmus, der Asylsuchende auf die Kantone so verteilt, dass ihre Chancen auf eine Arbeitsstelle möglichst hoch sind. Bewährt sich der Algorithmus, könnte er allenfalls breite Anwendung finden, auch in anderen Staaten.

Konkrete Verbesserungen

Allein durch ihre Forschungsfragen und Reflexionen bringen die Forschenden laut SNF den Migrationsbereich voran, aber auch mit Modellen und Daten. Die entwickelten Algorithmen stellen Hangartner und seine Mitarbeitenden zur freien Nutzung für andere Forschende zur Verfügung.

Aus den Forschungsresultaten soll auch konkreter Nutzen entstehen, so zum Beispiel bei der Analyse einer Rekrutierungsplattform. Bei dieser untersucht das Team um Hangartner, ob und wenn ja wer bei der Stellensuche diskriminiert wird. Die Ergebnisse sollen in konkrete Verbesserungen umgesetzt werden, um Diskriminierung zu minimieren.

Das Preisgeld des Latsis-Preises will Hangartner in ein Forschungsprojekt in Griechenland stecken. Hier erforscht sein Team aktuell, wie sich die Migrationsbewegung auf den Inseln der Nordägäis in den letzten Jahren auf die Einstellung der Bevölkerung ausgewirkt hat. Die Forschenden stellen bei den Einheimischen eine zunehmend feindliche Einstellung gegenüber Migrantinnen und Migranten und wachsende Unterstützung für restriktive Asylpolitik fest. Nun wollen die Forschenden auch die langfristigen Konsequenzen beobachten.

Mehrfach ausgezeichnet

Hangartner wurde bereits mit dem Philip Leverhulme Prize ausgezeichnet, erhielt einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats, ist Co-Direktor des Immigration Policy Lab der ETH und der Stanford University und ist Projektleiter am Nationalen Forschungsschwerpunkt «On the Move», wie der SNF schrieb.

Der Nationalfonds vergibt den Nationalen Latsis-Preis seit 1983 jedes Jahr im Auftrag der Internationalen Latsis-Stiftung. Die Auszeichnung würdigt Forschende unter 40 Jahren, die in der Schweiz tätig sind. Am 16. Januar wird Hangartner den Preis im Rathaus Bern offiziell entgegennehmen. (sda/bat)