Migration

Migrationsforscher fordert anderes Asylrecht

Der Migrationsforscher Ruud Koopmans wünscht sich in Europa ein Asylsystem nach australischem Vorbild. Das Land vergibt zwar viele humanitären Visa, geht aber strikt gegen irreguläre Einreisen vor.

Der Soziologe und Migrationsforscher Ruud Koopmans fordert eine grundlegende Änderung des europäischen Asylsystems. Dazu gehöre, dass Europa die irreguläre Migration konsequent verhindert, sagte der Direktor der Abteilung «Migration, Integration, Transnationalisierung» am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) dem «Tagesspiegel». Als Beispiel für ein solches System nennt er Australien.

«Sie holen grosszügig Flüchtlinge ins Land, aber nur solche, die sie zuvor in Drittstaaten gemeinsam mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR auf Schutzbedürftigkeit und Gefährdungspotenzial überprüft haben», sagte der Autor des Buches «Die Asyl-Lotterie». «Das Land vergibt auch jährlich Tausende von Visa aus humanitären Gründen. Sie helfen den Menschen anders, als wir das in Europa tun.» Gleichzeitig verweigere Australien Flüchtlingen den Aufenthalt, wenn sie versuchen, das Land irregulär auf dem Seeweg zu erreichen.

Wie Australien das tut, sorgt allerdings regelmässig für scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Das Land interniert Asylsuchende, die per Boot aus Indonesien oder Sri Lanka nach Australien fliehen, in Lagern auf Inseln fremder Staaten. Dort sitzen sie meist jahrelang fest.

Diese Methode könnte auch in Europa Leben retten, glaubt der niederländische Professor für Soziologie an der Humboldt-Universität – sofern sie die Anreize für die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer abschaffe. Entsprechende Drittstaaten, in denen die Asylverfahren geprüft werden, könnten Tunesien, Marokko, Senegal, Albanien oder Nordmazedonien sein. Die EU müsse die Kosten für die Flüchtlinge übernehmen und im Gegenzug den Ländern Kontingente für reguläre Arbeitsmigranten anbieten. (epd/pef)