Mehrheit der Schweizer will mehr Rechte für Ausländer

Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegenüber Ausländerinnen und Ausländern tolerant und begrüsst beispielsweise das Recht auf Familiennachzug. Ein gutes Drittel stört sich jedoch an der Anwesenheit von als «anders» empfunden Personen. 16 Prozent der Befragten sehen sich durch Ausländer gar «bedroht».


Die Schweizer Bevölkerung zeigt eine aufgeschlossene Haltung gegenüber anderen Nationalitäten. Dies zeigt eine Umfrage des Bundesamtes für Statistik (BfS), die am 10. Oktober publiziert wurde. So seien 64 Prozent dagegen, Ausländer bei Arbeitsplatzknappheit heimzuschicken. Fast ebenso viele begrüssen das Recht auf Familiennachzug. 56 Prozent sind für eine automatische Einbürgerung der zweiten Generation.

65 Prozent glauben nicht, die Ausländerinnen und Ausländer seien schuld, wenn man sich auf der Strasse nicht sicher fühlt, und 68 Prozent verneinen die Aussage, Ausländer seien für eine Zunahme der Arbeitslosigkeit verantwortlich.

Insgesamt nahmen letztes Jahr 36 Prozent die Anwesenheit von als «anders» empfundenen Personen jedoch als störend wahr. Sechs Prozent gaben an, sich im Alltag durch Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Nationalität gestört zu fühlen. Etwa jeder Zehnte stört sich an der anderen Religion oder der anderen Sprache. Gar 21 Prozent betrachten Menschen mit nicht sesshafter Lebensweise als störend.

Misstrauen gegenüber dem Islam am grössten

Die Schweiz zeigt sich zudem unterschiedlich offen gegenüber verschiedener Bevölkerungsgruppen. So halten 17 Prozent Aussagen zu negativen Eigenschaften von Musliminnen und Muslimen für zutreffend. Bei Vorurteilen gegenüber der jüdischen und der schwarzen Bevölkerung beträgt dieser Anteil 12 respektive 4 Prozent.

Auch ist die Feindlichkeit gegenüber Musliminnen und Muslimen mit 14 Prozent verbreiteter als bei Schwarzen (10 Prozent) und bei jüdischen Menschen (8 Prozent). Noch ausgeprägter als die Ablehnung gegenüber der muslimischen Bevölkerungsgruppe tritt jedoch mit 33 Prozent das Misstrauen gegenüber dem Islam zutage.

 16 Prozent der Befragten sehen sich durch Ausländer gar «bedroht». Vier Prozent äussern dieses Gefühl der Bedrohung auch gegenüber Schweizerinnen und Schweizern. Beispielsweise dann, wenn es um die Austragung von politischen Konflikten geht.

Nationalität als Ursache von Diskriminierung

Die Erhebung des BfS gibt auch Aufschluss über die persönliche Erfahrung von Diskriminierung. 2016 gaben 27 Prozent an, in den letzten fünf Jahren mindestens einmal diskriminiert worden zu sein. Nach eigenen Angaben haben 4 Prozent körperliche Gewalt, 13 Prozent psychische Gewalt und 21 Prozent Diskriminierung erfahren.

Bei den Personen, die in der Schweiz Opfer von Diskriminierung waren, ist die Nationalität in mehr als der Hälfte der Fälle die Ursache. Bei knapp der Hälfte sei die Diskriminierung in ihrem Arbeitsumfeld oder bei der Stellensuche geschehen.

Rassismus als gesellschaftliches Problem

2016 fanden 56 Prozent der Bevölkerung, dass die Integration der Migrantinnen und Migranten gut funktioniert. 66 Prozent nehmen Rassismus als gesellschaftliches Problem wahr. Die Mehrheit glaubt, dass die ergriffenen Massnahmen in diesen Bereichen den Bedürfnissen entsprechen. Rund ein Drittel denkt jedoch, dass die Vorkehrungen ungenügend oder unbefriedigend sind.

Die Umfrage zum Zusammenleben in der Schweiz wurde vom BfS im Jahr 2016 erstmals durchgeführt. Insgesamt nahmen 3000 Personen daran teil. Gleichzeitig mit den Ergebnissen des BfS hat das Eidgenössische Departement des Innern den Bericht der Fachstelle für Rassismusbekämpfung (FRB) für 2016 veröffentlicht. (bat/sda)