Überraschende Wahl

Luzerner Reformierte haben eine neue Präsidentin

Von den zwei offiziellen Kandidaten machte niemand das Rennen. Stattdessen wurde die Interimspräsidentin Lilian Bachmann von der Luzerner Synode zur neuen Synodalratspräsidentin gewählt.

Zwei Kandidaten hatte die Geschäftsleitung der Reformierten Kirche Kanton Luzern zur Wahl vorgeschlagen: Alexander von der Marwitz und Thomas Widmer (ref.ch berichtete). Beide hatten ein Auswahlverfahren durchlaufen. Gewählt wurde aber schlussendlich Lilian Bachmann, die sich gar nicht zur Wahl gestellt hatte. Sie setzte sich im zweiten Wahlgang mit 25 zu 23 Stimmen durch. Bachmann hatte das Präsidium ad interim übernommen, nachdem Präsidentin Ursula Stämmer-Horst im März verstorben war.

Schon an den Fraktionssitzungen im Vorfeld der Synode kam es allerdings zu Diskussionen über die Wahlen, berichtet die neue Präsidentin auf Nachfrage von ref.ch. Deshalb gab es an der Synode auch einen Antrag, die Wahl auf die nächste Sitzung zu verschieben. Wie die «Luzerner Zeitung» berichtet, befürchteten einige Synodale eine Schlammschlacht, weil beide offiziellen Kandidaten nicht überzeugten. Es brauche eine Denkpause. Andere monierten, es mache wenig Sinn, wenige Monate vor Legislaturende einen neuen Präsidenten zu wählen.

«Ohrfeige für die Kandidaten»

Einige Synodale sprachen sich laut der «Luzerner Zeitung» aber für die Wahl aus. Die Vakanz bestehe schon seit acht Monaten und der Synodalrat sei stark beansprucht, gerade weil er erst vor kurzem von sieben auf fünf Mitglieder verkleinert wurde. Ausserdem wurde eine Verschiebung der Wahl als Misstrauensvotum gegen die Geschäftsleitung gedeutet, es wäre eine «Ohrfeige für die Kandidaten». Schlussendlich wurde der Antrag, die Wahl zu verschieben, knapp abgelehnt.

Bei der Wahl folgte dann die Überraschung. Lilian Bachmann erhielt im ersten Wahlgang die meisten Stimmen und erklärte, eine allfällige Wahl anzunehmen. Vor dem zweiten Wahlgang kam es dann laut «Luzerner Zeitung» noch einmal zu Diskussionen. Einige Synodale kritisierten Bachmanns Führungsstil, während andere genau diesen lobten. Ausserdem habe man die Gelegenheit, eine Frau zu wählen. Im zweiten Wahlgang schaffte Bachmann dann die Wahl, die sie aber doch «sehr überrascht» habe.

«Kontinuität, Ruhe und Beständigkeit»

Die neue Präsidentin glaubt, dass die Wahl ein Vertrauensvotum für den Synodalrat sei. Die Zusammenarbeit zwischen der Landeskirche und den Kirchgemeinden habe während der Corona-Krise gut funktioniert. «Wir blicken auf eine sehr intensive Zeit zurück und die Gewährleistung von Kontinuität, Ruhe sowie Beständigkeit stand bei der Wahl wohl im Vordergrund.»

Zu Kritik und Lob an ihrem Führungsstil und ihrer Person meint Lilian Bachmann, dass jeder Mensch eine andere Wahrnehmung vom Gegenüber habe. Es liege aber auch in der Natur des Amts, dass nicht alle Massnahmen auf Begeisterung stossen würden. «Den politischen Diskurs verstehe ich nicht nur als ständige Suche nach Konsens und Kompromiss, sondern es soll auch ein friedlicher Dissens möglich sein.» Aber danach schaue man sich in die Augen und mache weiter. Die Hand reichen sei ja im Moment nicht möglich.

Rücktritte für bessere Zusammenarbeit

Nach der Wahl traten die Synodepräsidentin Ruth Burgherr und Vizepräsident Alexander Boerlin per sofort zurück. Burgherr hatte das Amt erst im vergangenen Jahr übernommen. Sie hoffe, dass durch ihren Rücktritt «wieder eine spannungsfreie Zusammenarbeit zwischen Synode- und Synodalratspräsidium möglich wird», so Ruth Burgherr gegenüber der «Luzerner Zeitung». Die neue Präsidentin Lilian Bachmann ergänzte gegenüber ref.ch, sie bedaure die Rücktritte. Jetzt sei es Zeit, wieder aufeinander zuzugehen und sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Das entspreche ja christlichen Werten. (mos)