Die aktuelle Situation sei sehr unangenehm, sagte Lukas Kundert, Präsident des Kirchenrats der evangelisch-reformierten Kirche, am 3. Oktober gegenüber dem Regionaljournal von Radio SRF. «Es ist eine meiner Aufgaben dafür zu sorgen, dass sich die Kirche nicht spaltet. Diese Geschichte hat aber das Potenzial dazu.»
«Diese Geschichte» – das ist der Konflikt um die Anfang September neu gewählte Basler Kirchenratsperson. Wie die Zeitung Schweiz am Wochenende am 7. September berichtete, fiel die Pfarrperson in der Vergangenheit durch islamophobe Äusserungen auf. So verfasste sie Beiträge für den islamfeindlichen und offenbar vor allem bei Rechtsextremen beliebten Blog Politically Incorrect. Zwischenzeitlich soll sie für diesen sogar in führender Position tätig gewesen sein.
Der Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn verbot 2011 der Pfarrperson, damals in einer Berner Kirchgemeinde tätig, weiter Texte für den Blog zu schreiben. Ein eingeleitetes Verfahren gegen sie stellte die Staatsanwaltschaft jedoch ein, da keine Hinweise auf strafrechtlich relevante Äusserungen gefunden werden konnten, wie die Schweiz am Wochenende weiter berichtete.
«Keine Klagen zu Ohren gekommen»
Wie Lukas Kundert nun gegenüber SRF sagte, sei die Wahlvorbereitungskommission der Synode seines Wissens nach über die Vorgeschichte informiert gewesen. «Ich gehe davon aus, dass die Mitglieder der Synode einen Strich unter diese Geschichte ziehen wollten und der Frau zutrauen, dass sie von diesem Umfeld abgekehrt ist.» Ihm seien in den vier Jahren, in denen die Pfarrperson nun in Basel tätig ist, «keine Klage zu Ohren gekommen, dass sie rechtsradikales Gedankengut verbreitet hätte.»
Die Pfarrperson selbst hat sich am 30. September in der bz zu Wort gemeldet. Das Gespräch durfte die Zeitung allerdings nur in «kuratierten Auszügen» publizieren. Ob es der Pfarrperson damit gelungen ist, Ruhe in den Konflikt zu bringen, ist fraglich. Kundert jedenfalls sagte, in der Basler Kirche gebe es nun zwei Lager: Diejenigen, die eine Person mit diesem Hintergrund unmöglich fänden, und diejenigen, die der Pfarrperson eine zweite Chance geben wollten. (vbu)
Redaktionelle Anmerkung: Die Pfarrperson wurde anonymisiert.