Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Woher rührt das Misstrauen der Theologie gegenüber Spiritualität? Was behindert uns auf der Suche nach Gott? Und braucht es heute überhaupt noch Religion? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Mit Zweifel zu Gott

Das neue Buch von Wilfried Härle, Theologieprofessor für Systematik in Heidelberg, trägt einen Titel, der aus dem biblischen Buch Weisheit stammt: « … und hätten ihn gern gefunden». Das Buch ist denn auch all jenen gewidmet, die Gott suchen. Dabei spricht Härle insbesondere Menschen an, die gerne an Gott glauben würden, es aber nicht können, weil sie intellektuelle oder emotionale Hindernisse spüren. Dem Autor gelingt eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Gottesglauben. Er tut dies umfassend, ohne den Zweifel, die Kritik und mögliche Überzeugungen des Lesers zu ignorieren.

Wilfried Härle: «… und hätten ihn gern gefunden». Gott auf der Spur. Evangelische Verlagsanstalt; Leipzig 2017; 312 Seiten; 23.90 Franken.


Reformiertes Fremdeln mit Spiritualität

Die Spiritualität führt in der wissenschaftlichen evangelischen Theologie ein Schattendasein. Autor Peter Zimmerling findet, dass sich die Theologie dadurch selbst «ihre Wurzeln abschneidet». Der erste Band des auf drei Bände angelegten Handbuchs will die Traditionen evangelischer Spiritualität ins Bewusstsein bringen. Der eben erschienene Band 1 widmet sich den geschichtlichen Erscheinungsformen bis heute, Band 2 und 3 werden sich mit der Theologie und den Praxisformen auseinandersetzen. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, kommt um dieses Gesamtwerk wohl kaum herum.

Peter Zimmerling (Hg.): Handbuch Evangelische Spiritualität. Band 1: Geschichte. Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen 2017; 828 Seiten; 69.90 Franken.


Stolperstein Koran

Nichtmuslimische Leser tun sich mit der Lektüre des Korans oft schwer. Selten verlaufen die Geschichten linear, sondern enthalten zahlreiche Sprünge und Anspielungen, die Wissen voraussetzen. Mit seinem neuen Buch schlägt Karl-Josef Kuschel eine Brücke zum besseren Verständnis. Der Professor der Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs verbindet Einblicke in islamische Theologie mit neusten Forschungsergebnissen. Der Band fasst die zwei Jahrzehnte währenden Studien des Autors zusammen und ist allen dialogwilligen Experten und Nichtexperten zu empfehlen.

Karl-Josef Kuschel: Die Bibel im Koran. Grundlagen für das interreligiöse Gespräch. Patmos-Verlag, Ostfildern 2017; 672 Seiten; 65.00 Franken.


Janusköpfige Religion

Aufgabe der Religion ist zu integrieren, nicht zu spalten oder zu verletzen, davon ist Autor Eugen Drewermann überzeugt. Mit dem Publizisten Jürgen Hoeren spricht er über Kriege, die im Namen der Religion geführt werden, oder fragt, ob es für eine Gesellschaft besser wäre, Menschen kämen ohne Religion aus. Sein Fazit: Eigentlich brauchen Menschen Religion mehr denn je in ihrer Suche nach dem Woher und Wohin des Lebens. Die aktualisierte Neuauflage von Drewermanns Buch aus dem Jahr 2003 ist ein leidenschaftlicher Appell, den Umgang mit den Mitmenschen und der Schöpfung zu verändern.

Eugen Drewermann: Wozu Religion? Sinnfindung in Zeiten der Gier nach Macht und Geld. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2017; 288 Seiten; 29.90 Franken.


 

Die Tipps stammen von Andrea Aebi und sind erstmals in bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.