Prinzip Protest
Im eben erschienenen Essay wirft Jörg Lauster, Professor für Systematische Theologie in München, einen kritischen Blick auf das Erbe Luthers, insbesondere auf dessen Erben. Für ihn hat die Reformation ihren bleibenden Wert für die Kultur Europas weniger als historisches Ereignis denn als Geisteshaltung, oder wie es Lauster nennt: als «Prozess und Prinzip». Im Jubiläumsrausch vermisst er darum eine wichtige Stimme: die des liberalen Kulturprotestantismus, der das Reformatorische unter den Bedingungen der Moderne fortführen will. Mit seiner neuesten Publikation leistet Lauster jedenfalls einen Beitrag, den Geist der Reformation auch in den aktuellen Diskurs einzubringen.
Jörg Lauster: Der ewige Protest. Reformation als Prinzip. Claudius-Verlag; München 2017; 144 Seiten; 14.90 Franken.
80 Tage auf Sendung
Im Sommer 2016 startete Radio Berlin Brandenburg ein ökumenisches Radioprojekt: An achtzig Tagen gingen Morgenandachten aus aller Welt über den Sender. Als Schauplätze dienten Urlaubsorte, Krisengebiete, Metropolen, ein verlassenes Haus bei Fukushima oder das Flüchtlingslager Idomeni in Griechenland. Die für das Projekt verantwortliche Rundfunkbeauftragte Barbara Manterfeld-Wormit legt nun im Buch In 80 Tagen um die Welt eine Auswahl der Beiträge vor. Die Anlehnung des Titels an Jules Vernes Erfolgsroman ist natürlich gewollt, weiten die im Buch enthaltenen Texte doch den Blick für ferne Länder und andere Kulturen.
Barbara Manterfeld-Wormit (Hg.): In 80 Tagen um die Welt. Eine spirituelle Reise zu den Hotspots der Einen Welt. Wichern-Verlag; Berlin 2017; 127 Seiten; 19.90 Franken.
Seelsorge im interkulturellen Kontext
Menschen aus anderen Kulturen angemessen zu begleiten ist für die Seelsorge und Spiritual Care eine grosse Herausforderung. Eine Neuerscheinung widmet sich nun genau diesem Thema. Das Werk skizziert zunächst das Verständnis von Spiritual Care aus der Sicht verschiedener Disziplinen und Religionen. Danach stellen Fachleute Seelsorge- und Beratungskonzepte aus fünf Kontinenten vor, schildern Fallstudien und analysieren die unterschiedlichen Erwartungen an Spiritual Care. Der Sammelband, der in Deutsch und Englisch geschrieben ist, stellt einen fundierten Beitrag zum gegenwärtigen Diskurs dar.
Isabelle Noth, Emmanuel Schweizer, Georg Wenz (Hg.): Seelsorge und Spiritual Care in interkultureller Perspektive. Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen 2017; 240 Seiten; 42 Franken.
Das evangelische Profil schärfen
Derzeitige ökumenische Bestrebungen suchen das Verbindende. Dabei darf das evangelische Profil nicht verschwimmen, fordert Ulrich H. J. Körtner, reformierter Theologieprofessor für Systematik in Wien. Sein neustes Buch setzt sich denn auch mit reformatorischen Kernthemen auseinander. Er lotet den Freiheitsbegriff aus und widmet ein Kapitel der Rechtfertigungslehre sowie dem vierfachen «Allein» (solus christus, sola gratia, fide und scriptura). Ferner untersucht Körtner, welche Impulse vom Erbe der Reformation ausgehen und was denn eigentlich «typisch» evangelisch ist. Eine anregende Lektüre zum Reformationsjubiläum.
Ulrich H. J. Körtner: Das Evangelium der Freiheit. Potentiale der Reformation. Evangelischer Presseverband in Österreich; Wien 2017; 224 Seiten; 25.90 Franken.
Die Tipps stammen von Andrea Aebi und sind erstmals in bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.

