Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Was die Bibel über unsere Evolution verrät, wie Franz von Assisi sich vom Wohlstand des Elternhauses abwendete und ein Leben in Askese sowie Armut wählte und wie christliche Migrationsgemeinden in der Schweiz aussehen: Dies und mehr in den theologischen Buchtipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

 

Die Bibel evolutionär gelesen

Gott wirft Adam und Eva aus dem Paradies und schickt sie auf den Acker. Für Carel van Schaik und Kai Michel dokumentiert die Bibel damit einen der folgenreichsten Schritte der Menschheit: den Übergang vom Jagen und Sammeln zur Sesshaftigkeit und zum Ackerbau. In ihrem Tagebuch der Menschheit liefern die Autoren eine evolutionäre Lesart nicht nur der Schöpfungsgeschichte, sondern der ganzen Bibel. In Verboten und Geboten oder in Streitigkeiten um Land und Gut entdecken sie Spuren der neolithischen Revolution. Dabei wird deutlich, warum viele der biblischen Probleme die Menschen bis heute beschäftigen.

 

Carel van Schaik, Kai Michel: Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät. Rowohlt-Verlag; Reinbek bei Hamburg 2016; 576 Seiten; 32.50 Franken.

 

 


Der heilige Ketzer

Noch im Kleinsten und Schwächsten sah er das Abbild Gottes: Franz von Assisi, Bettelprediger, Ordensgründer und mittelalterliche Pionierfigur mit grosser Strahlkraft über die Jahrhunderte hinweg. Kenntnisreich und plastisch zeichnet Gunnar Decker nach, wie sich der einst bürgerliche Lebemann vom Wohlstand des Elternhauses abwendet und ein Leben in Askese und Armut wählt. Von der Kirche kritisch beobachtet und der Ketzerei verdächtigt, bewegen sich Franz und seine späteren Gefährten auf einem gefährlichen Grat. Der Autor bemüht sich um einen breiten historischen Hintergrund und bringt die Ideale des Franz von Assisi in unser Denken zurück.

 

 

Gunnar Decker: Franz von Assisi. Der Traum vom einfachen Leben. Siedler-Verlag; München 2016; 432 Seiten; 36.90 Franken.

 

 


Dem Ende die Tragik nehmen

Freiheit und Verantwortung, Sünde und Schuld, Verzweiflung und Erlösung: Holger Zaborowski lotet in seinem neusten Buch die grossen Themen des Menschseins aus. Allerdings tut er dies nicht abstrakt, sondern ganz anschaulich: mittels Romanfiguren zeitgenössischer und klassischer Autoren. Deren Protagonisten streben nach dem Unendlichen, verstricken sich aber im Endlichen, werden schuldig und erfahren am Ende die Absurdität des Lebens. Dabei legt der Autor den Fokus auf die Frage, wie Menschen in Situationen tragischen Scheiterns über sich selbst hinausschreiten in der Hoffnung, dass der Tragik nicht das letzte Wort gehört.

 

 

Holger Zaborowski: Tragik und Transzendenz. Spuren in der Gegenwartsliteratur. Matthias-Grünewald-Verlag; Ostfildern 2017; 113 Seiten; 26.90 Franken.

 

 


Konkurrent Migrationskirche

Wenn das Modewort Boom verwendet werden darf, dann in Bezug auf christliche Migrationsgemeinden in der Schweiz: Seit dem Jahr 2000 wurden mehr als hundert von ihnen gegründet. Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut hat in einer Studie über 370 christliche Migrationsgemeinden untersucht. Nun liegen die Resultate in Buchform vor. Die Publikation zeigt die Gemeinden in ihrer Vielfalt, in ihren spirituellen und sozialen Tätigkeiten, aber auch das grosse missionarische Selbstbewusstsein. Eindrücklich ist die ­Beobachtung, wie sich migrantische und etablierte einheimische Kirchen in einer Mischung aus Konkurrenz und Erwartungen begegnen.

 

Judith Albisser, Arnd Bünker (Hg.): Kirchen in Bewegung. Christliche Migrationsgemeinden in der Schweiz. Edition SPI; St. Gallen 2016; 250 Seiten; 42.90 Franken.

 

 


 

Die Tipps stammen von Andrea Aebi und sind erstmals in bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.