Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Wie sind eigentlich die schönsten Weihnachtslieder entstanden und was verbindet die Gebetstexte aus den verschiedenen Religionen? Um diese und weitere Fragen geht es in den Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Weihnachtsschatz

Die Wochen vor Weihnachten gehören zu den klangvollsten im ganzen Kirchenjahr. Es kommt ein Schiff geladen, Es ist ein Ros entsprungen oder O du fröhliche sind nur drei Beispiele für Lieder, die diese Zeit begleiten. Aber woher stammen sie eigentlich? Und wie kommt es, dass sie bis heute auf Weihnachtsmärkten ebenso gesungen werden wie in Familien oder Kirchen?

Der Theologe und Musikwissenschaftler Meinrad Walter begibt sich in O du selige Weihnachtszeit auf Spurensuche. Er fördert dabei Entstehungsgeschichten zutage, die teilweise bis ins Spätmittelalter zurückreichen. Zugleich führt er in die vielfältige Symbolwelt dieser Lieder ein: die Spannung von Finsternis und Licht in Die Nacht ist vorgedrungen; oder plötzlich aufblühende Dornenhecken in Maria durch ein Dornwald ging.

Zwölf Lieder stellt der Autor vor und ergänzt die Texte mit ursprünglichen Notendrucken oder Motiven historischer Liedpostkarten. Diese Neuerscheinung gibt es auch als Hörbuch. Buch wie Doppel-CD sind wunderbare Begleiter durch den Advent. Sie laden zum Singen und Entdecken dieses kulturellen Schatzes ein.

Meinrad Walter: O du selige Weihnachtszeit. Was unsere Weihnachtslieder erzählen. Mit Motiven historischer Liedpostkarten. Verlag am Eschbach, Ostfildern 2019; 144 Seiten; 26.90 Franken.

Beten, beten, beten

Gebete der Menschheit ist eine kleine, aber feine Sammlung von Gebetstexten aus verschiedenen Religionen, Zeiten und Kulturen. Zusammengestellt hat sie der Lyriker und Theologe Christian Lehnert. Neben vertrauten Gebeten wie dem Sonnengesang des Franziskus von Assisi oder der Sequenz an den Geist von Hildegard von Bingen finden sich Anrufungen aus den hinduistischen Upanischaden, ein Klagegebet der Zulu oder ein orphischer Hymnus aus der Antike. Trotz unterschiedlicher  Herkunfts- und Entstehungsgeschichten fällt bei diesen Texten auf, dass gewisse Motive immer wiederkehren: Lichtmetaphern beispielsweise oder die Bedeutung, die mit der Nennung des Gottesnamens einhergeht.

Das Nachwort des Autors und ausführliche Quellenangaben helfen bei der Einordnung. Ein möglicher Zugang ist zudem, die Gebete nicht nur zu lesen, sondern gleich zu sprechen. Denn nach Christian Lehnerts Verständnis gibt es ein Gebet nur im Vollzug, wozu er mit seiner Sammlung anregen möchte. Die Auswahl jedenfalls ist gelungen. Zusammen mit den kunstvollen Illustrationen von Michael Triegel ist Gebete der Menschheit auch ein schönes Geschenk.

Christian Lehnert (Hg.), Michael Triegel (Illustrationen): Gebete der Menschheit. Insel Verlag, Berlin 2019; 144 Seiten; 21.90 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.