Klimakatastrophen: Experten fordern mehr Prävention

Frühzeitige Vorsorge statt ausschliesslich Nothilfe: So lässt sich nach Ansicht von Experten des Welternährungsprogramms der wachsenden Zahl von Naturkatastrophen infolge des Klimawandels begegnen.


Die klassischen Ansätze von Not- und Entwicklungshilfe reichen nicht mehr aus, um die negativen Folgen des Klimawandels für die Menschen abzufedern. Das sagte der Chef des Klima- und Krisenpräventionsprogramms beim Welternährungsprogramm (WFP), Gernot Laganda, dem Evangelischen Pressedienst in Genf. Er bezog sich dabei nicht zuletzt auf die jüngsten Zyklone in Mosambik, bei denen dort und in den Nachbarländern mehr als 1000 Menschen ums Leben kamen.

Nach schweren Überflutungen Anfang des Jahrtausends habe Mosambik zwar in Flutprävention investiert. Nach kurzer Zeit schon hätten Geberstaaten jedoch ihre Gelder wieder in andere Bereiche gesteckt. «Das Problem ist, dass die Aufmerksamkeit nach einer Katastrophe nicht länger als ein Jahr anhält», sagte Laganda. Die Zerstörungen durch die Zyklone «Idai» und «Kenneth» hätten aber auch gezeigt, dass Vorsorgepläne laufend überarbeitet werden müssten. «Auf Flut war man vorbereitet, aber dass so starke Stürme die meisten Zerstörungen anrichten, war neu.»

Nach Angaben des WFP leben vier von fünf Menschen, deren Nahrungsmittelversorgung unsicher ist, in Ländern mit einem hohen Risiko von Naturkatastrophen. Der Klimawandel habe andere Risikofaktoren verstärkt und die Lage der Menschen verschlechtert, sagte Laganda. «Mehr als 820 Millionen Menschen weltweit leiden Hunger, und die Zahl steigt jährlich weiter, obwohl Technologie und Vorhersagemöglichkeiten besser geworden sind.»

«Vorsorge lohnt sich auch finanziell»

Es gebe grosse Fortschritte in regionalen Vorhersagetechnologien, mit denen Betroffene frühzeitig gewarnt werden könnten. «Wenn Vorhersagen anzeigen, dass in drei Monaten eine Dürre oder in den kommenden zwei Wochen eine Überschwemmung droht, kann man Verluste und Zerstörungen minimieren, bevor sie passiert sind», erklärte Laganda. So könnten Dörfer evakuiert, Vieh in Sicherheit gebracht oder gelagerte Ernte wasserdicht verpackt werden. «Voraussetzung ist, die Arbeit mit neuen Vorhersageinstrumenten vor Ort zu institutionalisieren.»

Zudem müssten Geberstaaten bereit sein, Geld schon vor dem Ausbruch einer Krise zu zahlen. So finanziere etwa die deutsche Regierung bereits gemeinsam mit Norwegen entsprechende Pilotprojekte. Laganda zufolge geht es zuallererst darum, Landschaft und Ökosysteme zu stärken, so dass diese ihre natürlich Schutzfunktion wahrnehmen können. Er betonte: «Studien zeigen, dass für jeden Dollar, den wir in Prävention investieren, drei Dollar in der Nothilfe nach einer Katastrophe eingespart werden – Vorsorge lohnt sich also auch finanziell.» (epd)