Vereinigte Staaten

US-Konservative übertrumpfen sich an Kirk-Abdankung mit evangelikaler Rhetorik

Am Sonntag erinnerten die amerikanischen Konservativen an den ermordeten Charlie Kirk. Dabei gab es Jesus-Vergleiche und der Kampf Gut gegen Böse wurde beschworen.
Zwischen «politischer Messe» (Tagesanzeiger) und «christlicher Erweckungsversammlung» (Washington Post) bewegte sich die Veranstaltung in Arizona. (Foto: John Locher/ Keystone)

Der «Tagesanzeiger» sah eine «politische Messe», bei dem US-Verteidigungsminister Pete Hegseth Kirk einen Krieger nannte, der einen «geistigen Krieg» geführt und die USA christlich erweckt habe. Man habe schon immer weniger Regierung gebraucht, sagt Hegseth, «aber Charlie hat verstanden und seiner Bewegung vermittelt, dass wir auch viel mehr Gott brauchen».

Kirk war in einem evangelikalen Haushalt aufgewachsen, 2012 gründete er die Organisation Turning Point USA. Lange trennte er aber Glauben und politisches Engagement. 2018 hatte er in «The Rubin Report» noch auf die Trennung von Kirche und Staat verwiesen und gesagt: «Das sollten wir unterstützen.» Dabei kritisierte er die politische Bewegung der US-Evangelikalen in den 70ern. «Das führte zu einer Gegenreaktion.»

Dann kam es zu einer Kehrtwende: 2022 bezeichnete er den säkularen Staat in seinem Podcast als «Fiktion». Ein Jahr zuvor hatte er Turning Point USA Faith (Glaube) gegründet, um Christen in der Politik zu mobilisieren. 

Der Grund finde sich in der Covid-Pandemie, sagte ein Sprecher von Turning Point zu «NBC News». Kirchen wurden damals geschlossen, um die Ausbreitung von Covid zu verhindern. Kirk sah das als den Versuch einer tyrannischen Regierung, die Christen zu kontrollieren.

«Kirk ist für euch gestorben»

Bei seiner Beerdigung wurde Kirk «zu einer Art Heiland erhoben und mit Jesus in Verbindung gebracht», heisst es im «Tagesanzeiger» weiter. Christus sei mit 33 gestorben, Kirk mit 31, weil er sich Gott ergeben habe, «er hat nun auch den Lauf der Geschichte verändert», sagte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Vielleicht, so der «Tagesanzeiger», habe es in den modernen USA noch nie eine solche Vermischung von Politik und Religion gegeben wie auf dieser Bühne in Arizona.

Die NZZ zitiert den rechten Aktivisten Jack Posobiec mit den Worten: «Charlie Kirk ist für alle von euch gestorben.» Und weiter: «Seid ihr bereit, euch zu wehren und die volle Rüstung Gottes anzulegen?» Historiker würden das Opfer von Kirk als Wendepunkt in der Frage sehen, ob die westliche Zivilisation überdauere.

Diese zu retten, dazu seien sie entschlossen wie nie zuvor, sagte Stephen Miller, stellvertretender Stabschef des Weissen Hauses. «Wir sind auf der Seite des Guten und auf der Seite Gottes.»

«Fast apokalyptischer Kampf»

«Die fünfstündige Veranstaltung verband religiöse Inbrunst mit militanter Politik», beschreibt die «Washington Post» den Mega-Anlass in Phoenix. Verbündete des US-Präsidenten Trump hätten sich auf Kirks Vermächtnis berufen, um die konservative Bewegung als Armee in einem «fast apokalyptischen Kampf zwischen Wahrheit und Güte gegen Feinde darzustellen», die entschlossen seien, eine von Gott bestimmte Nation zu zerstören. Die Republikaner hätten durchblicken lassen, dass sie Kirks Andenken in Zukunft als Mittel nutzen würden, um ihre Partei zu organisieren.

Die Journalisten schildern, wie Präsident Trump als letzter Redner – begleitet von Feuerwerk – die Bühne betritt, während ein Country-Sänger «God bless the USA» singt. Anschliessend sagt er über Charlie Kirk: «Er ist jetzt ein Märtyrer für die amerikanische Freiheit.»

In einem Kommentar nennt die «Washington Post» die Veranstaltung in Arizona als «christliche Erweckungsversammlung». Die Rede Erika Kirks, der Witwe des Influencers, wird als kraftvollste bezeichnet. Kirk habe jungen Männern eine Perspektive aufzeigen wollen, durch seine konservative Haltung und seinen christlichen Glauben. Dann habe Erika Kirk gesagt, sie vergebe dem mutmasslichen Mörder ihres Mannes, weil «es das ist, was Jesus Christus tat.» (gab/ dst)

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