Nidwalden

«Kirchen-News»-Knatsch sorgt an Versammlung für Gesprächsstoff

An der Herbstversammlung der Evangelisch-Reformierten Kirche Nidwalden meldeten sich mehrere Votanten zur Causa «Kirchen-News» zu Wort. Im Februar soll nur eruiert werden, welche Inhalte die Leserinnen und Leser wollen.

Die reformierte Kirche des Kantons Nidwalden sorgte in den vergangenen Wochen national für Schlagzeilen. Grund dafür war ein Entscheid des Kirchenrates, die Auslieferung der «Kirchen-News» zu stoppen, nachdem ein Pro- und ein Kontra-Artikel zur Konzernverantwortungsinitiative hätten publiziert werden sollen. Man wolle keine politischen Beiträge in den «Kirchen-News», begründete der Kirchenrat seinen Entscheid. Weil der Chefredaktor, Thomas Vaszary, die Meinungsverschiedenheit in der Zeitung öffentlich machen wollte, wurde er freigestellt (ref.ch berichtete).

Die ganze Geschichte sorgte am Montagabend auch bei der Herbstversammlung im Öki in Stansstad unter den 45 Anwesenden für Gesprächsstoff. So äusserte sich unter anderem Niels Fischer aus Hergiswil. Fischer verwies laut der «Nidwaldner Zeitung» in seinen Äusserungen auf das Redaktionsstatut und sagte gleich am Anfang seiner Kritik: «Das Einstampfen der ‹Kirchen-News› ist ein Sündenfall.» Er verwies demnach auf die Unabhängigkeit des Redaktors und hielt das Ganze für eine Zensur.

Auch Delf Bucher, Redaktor von «reformiert.info» und Nidwaldner Landrat, vertrat in einer längeren Rede die Sicht, dass sich die Kirche durchaus politisch äussern dürfe, auch wenn dies nicht allen gefalle. Es sei die reformierte DNA, dass Politik und Religion zusammengehörten, heisst es im Bericht weiter.

«Kirchenrat trägt Schlussverantwortung»

Präsident Wolfgang Gaede verteidigt dagegen das Vorgehen des Kirchenrates. «Wir machen keine Zeitung für den freien Markt, sondern für unsere Mitglieder. Der Inhalt soll sich auf Kirchenthemen beschränken», sagt Gaede gegenüber ref.ch. Denn die «Kirchen-News» werde über Steuergelder finanziert und könne nicht einfach so abbestellt werden. «Wem der Inhalt nicht passt, der kann nur über einen Kirchenaustritt das Abo künden. Und Austritte wollen wir sicher nicht.» Deshalb sei immer klar gewesen, dass sich die «Kirchen-News» auf kircheninterne Kommunikation fokussiert. «Und auf keine kontroversen Themen», so Gaede.

Zwar stimme es, dass im Redaktionsstatut festgehalten sei, dass die Redaktion unabhängig vom Kirchenrat arbeiten soll. «Aber am Schluss sind wir die Herausgeber und müssen für die Inhalte geradestehen», sagt Gaede.

Ob das Vorgehen des Kirchenrates richtig war, sollte an der Versammlung mit einer Konsultativabstimmung geklärt werden. Doch dazu kam es nicht. Wie die «Nidwaldner Zeitung» berichtet, wollte die Versammlung mit 20 zu 7 Stimmen bei 18 Enthaltungen darauf verzichten.

«Politische Themen müssen Platz haben»

Anwesend an der Versammlung war auch der ehemalige Redaktionsleiter Thomas Vaszary. «Ich kann den Entscheid des Kirchenrates sowie die Zensur bis heute nicht verstehen», sagt er gegenüber ref.ch. Gerade weil im Redaktionsstatut die Unabhängigkeit der Redaktion festgehalten sei. Dort sei zudem klar festgeschrieben, dass auch politische Themen und deren Kommentierung in den «Kirchen-News» Platz haben müssten.

Auf die Frage, was er zur Ablehnung der Konsultativabstimmung sagt, antwortet Vaszary: «Ich habe viele Zuschriften bekommen, die meine Position verteidigen.»

Umfrage in der Februar-Ausgabe

Laut Wolfgang Gaede wolle man nun nach vorne schauen. Bereits sei die Dezemberausgabe der «Kirchen-News» fertig, die von der Redaktionskommission erarbeitet wurde. In der Februar-Ausgabe solle zusätzlich ein Fragebogen beigelegt werden, in dem eruiert werden soll, was die Leserinnen und Leser in den «Kirchen-News» haben wollen. Je nach Ergebnis wolle man bei der Frage zu politischen Inhalten allenfalls über die Bücher.

An der Versammlung wurde auch das Budget für das Jahr 2021 verabschiedet. Der Kirchenrat rechnet mit einem Gesamtertrag von 2,45 Millionen Franken, einem Aufwand von 2,64 Millionen Franken und somit mit einem Verlust von 231'000 Franken. (bat)