Filmkritik

Ein poetischer Bilderrausch

Im Film «Soul of a Beast» gelingt dem Regisseur Lorenz Merz ein die Sinne betörendes Epos. Der Regisseur ist preisgekrönt, und der Film ebenfalls.

Gabriel hat es im Leben nicht leicht. Allein muss sich der junge Vater um seinen Sohn Jamie kümmern. Die Mutter, ein Goldküsten-Teenie, kommt mit dem Alltag nicht klar. Gabriel steht selbst noch nicht richtig im Leben. Auf seinem Skateboard fährt er durch die Stadt, zum Abendessen gibt es Mikrowellen-Gerichte. Als er die Freundin seines besten Kumpels kennenlernt, wird sein Leben noch komplizierter. Denn eine Romanze bahnt sich an.

Regisseur Lorenz Merz erzählt mit «Soul of a Beast» ein Epos, das mit seiner facettenreichen Bildersprache betört. Gefühlt jede dritte Einstellung ist ein kleines Kunstwerk, immer wieder verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Nie ist man sicher, ob die Protagonisten träumen oder das Gezeigte gerade erleben. Erst recht nicht, wenn sie in einer ihrer Eskapaden in einen Meskalin-Drogenrausch abtauchen und die Tiere eines Zoos freilassen – mit schwerwiegenden Folgen.

Junges Schauspielensemble ist ein Gewinn

«Soul of a beast» mutet viel zu. Nach bester David-Lynch-Manier sind die Szenen nicht selten bedeutungsschwanger, doch die Interpretation des Gezeigten wird dem Zuschauer überlassen. Das gilt insbesondere für die japanischen Weisheiten, die einen roten Faden bilden und dem Film einen fernöstlichen Touch ganz nach Wong Kar-Wai verleihen.

Nicht zuletzt ist es den hervorragenden jungen Schauspielerinnen wie Ella Rumpf, Luna Wedler, Pablo Caprez und Tonatiuh Radzi zu verdanken, dass der Film im Laufe der Geschichte immer mehr an Intensität gewinnt.

Preisgekrönter Regisseur

Lorenz Merz hat mit seinem unkonventionellen und nicht unbedingt leicht zugänglichen Film viel auf eine Karte gesetzt. Es hat sich gelohnt.

So konnte er damit zahlreiche Preise einheimsen, unter anderem auch den Preis der Ökumenischen Jury am Filmfestival in Locarno. «Lorenz Merz’ ‹Soul of a Beast› ist eine Hommage an das Medium Film und eine mutige Geschichte voller Seele, verkörpert von jungen Menschen», begründete die Ökumenische Jury ihre Auszeichnung in einer Mitteilung im letzten Sommer.  

Merz studierte an der Zürcher Hochschule der Künste, er ist in Locarno für einen früheren Film bereits mit dem silbernen Leoparden ausgezeichnet worden und auch Träger des Schweizer Filmpreises (Rubrik bester Kurzfilm). Man darf gespannt sein, welche weiteren Filme Merz in Zukunft zeigen wird.

Ab dem 14. April im Kino.

Redaktioneller Hinweis: Die Ökumenische Jury ist international zusammengesetzt, ihr gehören vier Personen an. Den reformierten Sitz hat Pascale Huber übernommen, sie ist Geschäftsführerin der Reformierten Medien, zu denen auch ref.ch gehört.