Nepal

Kailash: Heiliges Pilgerziel im Schatten der Flutkatastrophe

Die Sturzflut in Nepal hat auch Menschen getroffen, die zum Berg Kailash unterwegs gewesen sind. Der tibetische Berg gilt in mehreren Religionen als heilig und ist ein Ziel für Pilgerinnen und Pilger.

Noch immer korrigiert die nepalesische Regierung die Zahl der Vermissten nach der Sturzflut von letzter Woche nach oben. Aktuell gehen die Behörden von über 4700 Menschen aus, die vermisst werden, wie die «Washington Post» schreibt. Darunter befinden sich viele Menschen, die auf dem Weg zu einem der heiligsten Orte Asiens waren. Der Mount Kailash in Tibet zieht jedes Jahr Tausende Pilger an.

Für Millionen Menschen ist der fast 6700 Meter hohe Kailash ein Ort von grosser spiritueller Bedeutung. Er gilt Hindus, Buddhisten, Jains und Anhängern der tibetischen Bön-Tradition gleichermassen als heiliger Berg. Für Hindus ist er der Wohnsitz des Gottes Shiva und der Göttin Parvati, Buddhisten verbinden ihn mit dem mythischen Berg Meru, dem Zentrum der Welt. Aber auch viele Ausländer aus dem Westen pilgern jedes Jahr in die abgelegene Hochgebirgsregion.

Es herrscht aber ein striktes Besteigungsverbot. Die Pilger umrunden den Berg deshalb auf einer rund 50 Kilometer langen Strecke – die sogenannte Kailash-Kora. Die mehrtägige rituelle Umrundung soll von Sünden reinigen und spirituelle Verdienste bringen.

Hindus und Buddhisten gehen traditionell im Uhrzeigersinn um den Berg, Anhänger der Bön-Tradition in die entgegengesetzte Richtung. Bön ist eine uralte, vorbuddhistische Religion, die eigene Götter, Rituale und Vorstellungen von einer beseelten Natur bewahrt hat – etwa Flüssen, Bergen und Bäumen.

Der Kailash liegt im Westen Tibets und ist wegen seiner abgelegenen Lage nur schwer erreichbar. Nicht weit entfernt befindet sich der ebenfalls heilige Manasarovar-See. Viele Pilger baden in seinem Wasser oder führen an seinem Ufer Reinigungsrituale durch. Zahlreiche Reisende verbinden die Pilgerreise zum Berg mit dem Besuch des Sees. (sda/ dst)

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