Nepal

Erste Parlamentswahl nach den Unruhen soll Wandel bringen

Nepal wählt eine neue Regierung. Sechs Monate nach den Demonstrationen der Jugend und dem Rücktritt des Premierministers hofft die Bevölkerung auf einen Neuanfang.

Im Himalaya-Staat Nepal hat die Wahl einer neuen Regierung begonnen. Wie die «BBC» berichtet, haben manche Stimmberechtigte stundenlange Wanderungen auf sich genommen, um ihre Stimme abzugeben. Die ersten Wahlen nach dem sogenannten «Gen-Z-Aufstand» gelten als richtungsweisend für das Land.

Vor einem halben Jahr ist Nepals Hauptstadt Kathmandu von Demonstrationen erschüttert worden. Zehntausende zumeist junge Demonstranten gingen gegen Korruption und Vetternwirtschaft auf die Strasse. Die Regierung versuchte, die Proteste gewaltsam aufzulösen.

Mehr als 70 Menschen starben. Die Proteste galten früh als Aufruhr der «Generation Z», also der zwischen 1995 und 2010 Geborenen. Auslöser war nicht nur das staatliche Verbot beliebter Apps wie Facebook und Instagram, sondern wachsende Unzufriedenheit mit Korruption, Nepotismus und dem demonstrativen Luxus einiger Familien.

In der Folge trat Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli zurück, das Parlament wurde aufgelöst. Wenn heute in dem von Armut geprägten Land ein neues Unterhaus gewählt wird, verbinden viele – besonders junge Menschen – damit die Hoffnung auf einen Neuanfang. Neben Korruptionsbekämpfung geht es angesichts von über 20 Prozent Jugendarbeitslosigkeit und hoher Abwanderung vor allem um Jobs und Stabilität.

Neben den Parteien, welche das Land in den vergangenen 40 Jahren regiert haben – dem Nepali Congress, der Kommunistischen Partei Nepals und den Maoisten –, steht die noch junge Rastriya Swatantra Party (RSP) zur Wahl. Beobachter trauen ihr ein gutes Wahlergebnis zu.

Aufmerksam mitverfolgt werden die Wahlen in China, Indien und den USA. Die «BBC» schreibt, China sei in den vergangenen 15 Jahren zum wichtigsten Partnerland Nepals geworden. Der Nachbar habe seinen Einfluss auf die kommunistischen Parteien in Nepal ausgebaut. Indien unterhalte starke wirtschaftliche Verbindungen mit dem Land und wolle diese auch in Zukunft nutzen, schätzt die «BBC» ein. Die USA ihrerseits hoffen demnach auf eine neue Regierung, welche die Zusammenarbeit mit China reduziert. (dst/ sda)

Beitrag teilen

Lesen Sie mehr zum Thema