Jüdisches Massengrab in Weissrussland entdeckt

Bauarbeiter wollten im weissrussischen Brest eine Grube für einen Neubau ausheben - und stiessen auf die Überreste von hunderten Toten.


Bauarbeiter haben im weissrussischen Brest ein Massengrab entdeckt. Es stammt aus der Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg und befindet sich unter dem Gelände des ehemaligen jüdischen Ghettos. Die Überreste von rund 790 Getöteten haben Experten inzwischen geborgen. Unter den Bewohnern der Stadt herrscht Trauer – und wachsender Ärger über den Fortgang des Bauprojekts.

Die Narben der brutalen deutschen Besatzung sind in Weissrussland auch heute noch vielerorts zu sehen. Dmitri Kaminski, der Leiter der Exhumierungen, kann seine Emotionen nicht verbergen: «Als wir das Skelett eines Kindes und das Skelett einer Mutter fanden, die es schützte, habe ich verstanden, was diese Menschen gefühlt haben», sagte er. «Es waren keine guten Gefühle.»

Petition lanciert

Die Menschen in Brest, einer etwas verschlafenen Provinzstadt an der Grenze zu Polen, reagierten mit Anteilnahme auf die Entdeckungen in ihrer Mitte. Rund tausend Menschen unterzeichneten bislang eine Petition. Sie fordert, auf den geplanten Bau des Wohnhauses über dem Massengrab zu verzichten und stattdessen eine Erinnerungsstätte einzurichten. Die Baufirma lehnt dies bislang ab.

«Ich weiss nicht, wie man ein Gebäude auf Knochen errichten kann», sagt die 87 Jahre alte Bresterin Galina Semenowa verständnislos. «Wir müssen hier ein Mahnmal zu Ehren der Toten errichten.» (sda/bat)