Iran

Hunderte Tote nach Abschaltung des Internets

Im Iran gehen Sicherheitskräfte brutal gegen Demonstrierende vor. Laut Menschenrechtsorganisationen starben in zwei Wochen über 500 Menschen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Die internationale Kritik wächst.

Die iranische Führung geht nach der Abschaltung des Internets mit tödlicher Gewalt gegen Demonstrierende vor. Sicherheitskräfte setzen laut Berichten grossflächig scharfe Munition ein. Nach Angaben von Aktivisten sind in den vergangenen 15 Tagen mindestens 544 Demonstranten getötet worden. Das berichtete der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf das Menschenrechtsnetzwerk HRANA. Rund 10'700 Menschen seien festgenommen worden. In 585 Ortschaften in allen Provinzen sei es zu Protesten gekommen.

Ein Korrespondent des US-Mediums Axios hatte zuvor auf X gemeldet, dass laut einem israelischen Regierungsbeamten mehr als 1000 Menschen im Iran getötet worden sein sollen. Der exiliranische Sender «Iran International» berichtet von mindestens 2000 Toten innerhalb von 48 Stunden.

Das sei noch die konservativste Schätzung, basierend auf Augenzeugenberichten von Ärzten und zugesandten Videos, die Hallen voller Leichensäcke zeigten. «Trotz der nahezu vollständigen Abschaltung des Internets erreichen uns weiterhin Videos und Nachrichten.» Unter anderem über Nutzerinnen und Nutzer von Starlink. Diese befänden sich mehrheitlich in den grossen Städten, was einen Gesamtüberblick erschwere.

Die Schweiz hat die iranischen Behörden dazu aufgefordert, der Gewalt gegen die Demonstrierenden ein Ende zu setzen. Die Menschenrechte und die grundlegenden Freiheiten aller Protestierenden seien zu gewährleisten, verlangte das Aussendepartement. Man verfolge die Festnahmen und Todesfälle «mit grosser Besorgnis».

UN-Generalsekretär António Guterres forderte ebenfalls ein Ende der staatlichen Gewalt gegen die Demonstrierenden. Er sei «schockiert» angesichts der Berichte über die Gewalt, schrieb er auf X und forderte «maximale Zurückhaltung» der Sicherheitskräfte. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola ermunterte die Demonstrierenden, die Proteste fortzusetzen. «An die mutigen Mädchen, Studenten, Männer und Frauen auf den Strassen: Das ist eure Zeit», schrieb sie in sozialen Medien. Sie rief die Staatsführung auf, den Kurswechsel einzuleiten.

Auch US-Präsident Donald Trump erhöhte den Druck auf die Islamische Republik. «Der Iran will verhandeln», sagte er an Bord des Regierungsflugzeugs Air Force One vor Journalisten. Man werde sich vielleicht mit Vertretern des Irans treffen, ein Treffen werde vorbereitet. Worüber verhandelt werden solle, blieb unklar. Angesichts dessen, was im Iran passiere, müssten die USA allerdings vielleicht auch vorher handeln, warnte Trump mit Blick auf die andauernden Proteste.

Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf hatte zuvor der Protestbewegung vorgeworfen, eine Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die «Feinde» müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte er laut Übersetzung des iranischen Propagandakanals Press TV.

Aussenminister Abbas Araghtschi verurteilte die regierungsfeindlichen Demonstrationen. Zunächst seien Händler auf die Strasse gegangen, sagte er vor Diplomaten. «Ab einem bestimmten Punkt hatten wir es mit terroristischen Operationen zu tun.» (dpa/ sda/ gab)

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