Karte zeigt jüdisches Leben in Deutschland

Ein Online-Projekt dokumentiert Vergangenheit und Gegenwart der Juden in Deutschland. Der älteste Eintrag reicht ins 4. Jahrhundert zurück.


Die erste interaktive Karte zu jüdischem Leben in Deutschland wird am 13. September aufgeschaltet. Die Website «Jewish Places» umfasst derzeit 1600 Orte mit insgesamt 8500 Einträgen aus dem ganzen Land.

Mit Hilfe der Nutzer soll das Projekt nach dem Wikipedia-Prinzip weiter wachsen, sagt Projektleiterin Barbara Thielen vom Jüdischen Museum Berlin am 12. September. Vorgestellt wird alles, was mit früherem oder heutigem jüdischen Leben in Deutschland zu tun hat. Das reicht von jüdischen Einrichtungen wie Synagogen über Geschäfte und Restaurants bis hin zu Stolpersteinen, Gedenkstätten und Einzelpersonen.

Die älteste Eintragung ist die Synagogen-Gemeinde Köln, die erstmals im Jahr 321 urkundlich erwähnt wurde. Der bislang jüngste Eintrag ist die 2015 gegründete Kahal-Adass-Jisroel-Gemeinde in Berlin. Nicht eingetragen sind Orte der Vernichtung von Juden wie Konzentrations- oder Vernichtungslager. «Das sind keine jüdischen Orte», sagte die Programmdirektorin, Léontine Meijer-van Mensch. «Da ziehen wir eine ethische Grenze.»

Lokal verbunden, weltweit vernetzt

Die Karte diene der örtlichen Zivilgesellschaft sowie Schülern, Lehrern oder Wissenschaftlern als Zugang zur jüdischen Lokalgeschichte ihrer Heimatregion, sagt Meijer-van Mensch. Zudem könnten Interessierte eigene Inhalte hinzufügen sowie Fotos und Videos hochladen.

«Durch die lokale Verbindung hoffen wir, dass sich viele Heimatforscher daran beteiligen und die Karte ergänzen», sagt Projektleiterin Thielen. Die Macher setzen ausserdem darauf, dass die weltweit verstreuten Nachfahren von aus Deutschland  vertriebenen Juden ihre Familiengeschichten in das Portal einbauen. «Wir hoffen sehr auf eine internationale Community», sagte Thielen.

Kontrolle muss sein

Betreut wird die zunächst nur auf Deutsch zur Verfügung stehende interaktive Karte von einem zweiköpfigen Moderatorenteam. Dieses soll auch verhindern, dass falsche Informationen hochgeladen werden oder die Seite für antisemitische Inhalte missbraucht wird.

Die Karte wurde über einen Zeitraum von drei Jahren entwickelt. Zu den Kooperationspartnern gehören unter anderen die Arbeitsgemeinschaft Alemannia Judaica, das Bundesarchiv oder das Polin Museum in Warschau. Finanziert wird das Projekt aus Spenden unter anderen der Flick-Stiftung, des US-Freundeskreises des Museums und der Bundeszentrale für politische Bildung. (epd/pd)