Jüdisches Museum Berlin: Ein Roboter schreibt die Thora

Bei der Installation «bios [torah]» der Künstlergruppe robotlab zeichnet ein Industrieroboter mit Schreibfeder und Tinte 304‘805 hebräische Buchstaben auf eine rund 80 Meter lange Papierrolle. Die Installation im jüdischen Museum Berlin dauert bis zum 11. Januar 2015.

Der Roboter schreibt die Thora ab.
(Bild jüdisches Museum Berlin)

Die Installation verweise auf die Tätigkeit des Thora-Schreibens, die in der jüdischen Tradition von einem eigens dafür ausgebildeten Schreiber, dem Sofer, verrichtet werde. Während der Sofer die Heiligkeit der Schrift garantiere, unterstreiche die Installation deren industrielle Reproduzierbarkeit. Sie simuliere eine jahrhundertealte Kulturtechnik, die von den medialen Entwicklungen längst eingeholt worden sei, wie das Jüdische Museum auf seiner Homepage schreibt.

Die Tora, die von dem Industrieroboter geschrieben wird, sei aber nicht koscher: «Ihre Entstehung entspricht weder den materiellen noch den immateriellen Erfordernissen des jüdischen Religionsgesetzes.» Der Roboter unterscheide nicht zwischen Pergament und Papier. Er kenne auch keine Segenssprüche. Er schreibe, was und wie er programmiert wurde.

Der Titel der Installation weist auf eine elementare Komponente der Computertechnik, das Basic Input Output System (BIOS) hin. BIOS ist das System, auf dem alle Programme eines Computers aufbauen. Es ist für die Entwicklung der Maschine von ebenso fundamentaler Bedeutung wie die Schrift für die Kulturgeschichte des Menschen.

Homepage des jüdischen Museums