«In Nordeuropa sind Autobahnkirchen eine Institution»

Jens Köhre, Pfarrer in der Bündner Kirchgemeinde Andeer, will an der A13 die erste Autobahnkirche der Schweiz bauen. Was in Deutschland schon lange funktioniert, hat auch hierzulande Zukunft, ist er überzeugt.


Herr Köhre, warum braucht es gerade an der A13 die erste Autobahnkirche der Schweiz?
An der wichtigsten Nord-Süd-Achse der Schweiz, der Autobahn A2, gibt es bereits einen Ort der Besinnung. Die Wegkapelle an der Gotthard-Raststätte bei Erstfeld ist zwar keine Kirche, aber sie erfüllt die gleichen Bedürfnisse. An der A13 gibt es so etwas nicht. Diese Lücke wollen wir füllen.

Die Gemeinde Andeer, wo Sie die Kirche bauen wollen, hat aber noch nicht einmal einen Autobahn-Vollanschluss.
Das ist richtig. Man kann bei Andeer nur Richtung Süden auffahren. Es sind aber bereits Umbaumassnahmen im Gespräch. Davon abgesehen: Eine Autobahnkirche wäre auch unabhängig davon sinnvoll.

Warum?
Weil hier viele Auswärtige durchfahren. Und es ist der Auftrag von uns Kirchgemeinden an der A13, auch für diese Leute da zu sein. Und zwar nicht nur, um sie bei Verkehrsunfällen aus den Autos zu schneiden, wie das die lokale Feuerwehr tut. Wir möchten ihnen auch eine Einkehrmöglichkeit bieten.

Hat denn ein Verkehrsteilnehmer, der möglichst schnell von A nach B kommen will, überhaupt das Bedürfnis, in einer Kirche Halt zu machen?
Das ist das Überraschende. Aus Deutschland haben wir Zahlen, wie viele Menschen in Autobahnkirchen einkehren. Es sind erstaunlich viele. Überhaupt sind Autobahnkirchen in Nordeuropa so etwas wie eine Institution.

Kommen diese Leute aus einem echten Bedürfnis oder eher aus Neugier, weil sie gerade an der Raststätte Halt machen?
Auch das hat man sehr genau untersucht. Aus den Einträgen in den sogenannten Anliegen-Büchern in den Kirchen weiss man, dass ein echtes spirituelles Bedürfnis besteht. Oft kehren die Leute hier ein, um zu beten. Sie müssen sich vorstellen: Diese Besucher sind oft viele Stunden unterwegs. Und dabei denken sie natürlich über das eine oder andere nach. Die Autobahnkirche ist da auch eine Art Gegenwelt zum Rush auf der Strasse.

Sie haben die Interessengemeinschaft Autobahnkirche Andeer gegründet. Wer macht da mit?
In unserer IG sind Privatpersonen mit Kontakten zu Kirche und Politik. Ursprünglich haben der Gemeindepräsident von Andeer und ich den Anstoss dazu gegeben. Inzwischen sitzen auch die Kirchgemeindepräsidenten der reformierten und der katholischen Kirche von Andeer bei uns ein. Unser Projekt hat ja auch eine ökumenische Dimension. Es wäre das erste ökumenische Kirchenbauwerk im Kanton Graubünden überhaupt.

Wie stellen Sie sich die Finanzierung vor?
Wir könnten uns vorstellen, dass es eine Stiftung oder einen Verein als Trägerschaft gibt. Das Projekt soll jedenfalls nicht durch Kirchensteuern finanziert werden. Wir denken eher an Spenden.

Haben Sie schon Ideen, wie die Kirche aussehen soll?
So weit sind wir noch nicht. Auf jeden Fall soll es eine echte Kirche sein. Von Deutschland wissen wir, dass Autobahnkirchen auch für renommierte Architekten eine spannende Herausforderung sind. Deshalb hoffen wir, dass wir auch für unser Projekt einen namhaften Architekten gewinnen können. Klar ist aber auch: Erst müssen wir sicherstellen, dass wir die Kirche auch bezahlen können.