Raum der Stille Nr. 6: Ökumenische Kapelle, A2, Erstfeld

Das Portal ref.ch stellt in einer Serie 15 ausgewählte Räume der Stille vor. Teil 6: die Kapelle an der A2, Uri.

(Bild: Michel Gilgen)

Man findet den Kubus am südlichen Ende der Raststätte. Absperrgitter gegen den Reussdamm führen zu ihm hin. Das kleine Hinweisschild mit einer schwarzen Kirche hat schon bessere Tage gesehen.

Ein Beton-Innenhof empfängt zuerst. Die Künstlerinnen Selma Weber und Clara Saner haben dort mit stilisierten Gebetsketten, die auf die Betonmauern gegossen sind, die fünf Weltreligionen dargestellt.

Erratisch, fast abweisend ist dann die Kapelle der Architekten Guignard & Saner von 1998 – als gehörte sie zu den schroffen Bergen ringsum. Kein Mensch da. Fenster aus Altglasscherben erzeugen eine kühl-sakrale Stimmung. Von draussen gedämpft das Rauschen des Verkehrs. In der Mitte ein Bergkristall als Symbol der Ewigkeit? In einer Ecke eine hingeworfene Decke.

Ein bizarr-poetischer Ort. Fort, nach Süden! flüsterts von der Autobahn. Das lässt die Kirche kalt. Sie hat nichts zu bieten als Einsamkeit und bohrende Fragen. Eine Trafostation für den Geist, umtost vom Transit der Zeit.


 

 

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Raum der Stille Nr. 1: Andachtsraum Flughafen Kloten

Raum der Stille Nr. 2: Fischen am Wägitalersee

Raum der Stille Nr. 3: Keller, Kirche St. Jakob, Zürich

Raum der Stille Nr. 4: «meditation room», Fifa

Raum der Stille Nr. 5: Lesesaal der Museumsgesellschaft 

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