Religiöses Kinderbuch

«Kindern keine Ideologie überstülpen»

Für die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn hat der bekannte Kinderliedermacher und Kinderbuchautor, Andrew Bond, eine Geschichte für ein Bilderbuch geschrieben. Im Interview erzählt er, wie man ein anspruchsvolles theologisches Thema kindgerecht aufbereitet.

Ist davon überzeugt, dass man den Kindern jedes Thema näher bringen kann: Der Liedermacher und Autor Andrew Bond. (Bild: z.V.g.)

Herr Bond, wie erklärt man Kindern Glaube und Religion?
Wie bei anderen Themen auch: Mit einer guten und spannenden Geschichte. Und zwar mit einer, in der man gerne selber mitten drin wäre.

Im Buch «Bejuso – was krähst du so?» bringen Sie den Kindern die Leitsätze der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn bei. Die Geschichte dreht sich um zwei kranke Güggel. Worauf haben Sie beim Schreiben geachtet?
Wichtig ist, dass die Geschichte die Kinder sofort reinzieht. Sie sind gnadenlos, wenn es um die Aufmerksamkeit geht. Kinder lassen, anders als die Erwachsenen, wenig über sich ergehen.

Zur Person

Andrew Bond zählt heute mit über 750‘000 verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Kinderliedermachern und Musikern der Schweiz. «Zimetschtern han i gern», «Suneschtraal tanz emaal», «Schternefeischter» oder auch «Mitsing*Wienacht» gehören zu seinen bekanntesten Werken.

Neben seinem Wirken als Kinderliedermacher ist Andrew Bond Inhaber des MärliMusicalTheaters und kreativer Kopf «seiner MärliMusicals». Seit 2012 bringt das Theater einmal pro Jahr ein von Bond geschriebenes und komponiertes MärliMusical in der Deutschschweiz zur Aufführung. (bat)

Wie halten Sie die Kinder im Buch bei der Stange?
Indem ich ihnen mit den zwei Kindern im Buch Figuren zeige, mit denen sie sich identifizieren können. Welches Kind möchte sich nicht um einen kranken Güggel kümmern? Ausserdem schaffe ich einen Spannungsbogen, bei dem ich nicht gleich auf Seite zwei verrate, wie die Geschichte ausgeht. Ich sage immer: Ein Pianist darf auch nicht alle Töne gleichzeitig spielen, damit ein Lied erklingt.

Sie sind Theologe. Welche Theologie vermitteln Sie im Buch?
Das Buch sollte eine Kirche zeigen, die den Menschen auf Augenhöhe begegnet. Deshalb kommt der verletzte Güggel auch vom Kirchenturm herunter, um mit den Kindern zu sprechen. Das entspricht dem reformierten Selbstbild und jenem, der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn. Wichtig war mir, den Kindern nicht einfach eine Ideologie überzustülpen, sondern Fragen in ihnen aufzuwerfen.

Was hat Sie am Projekt gereizt?
Am Anfang bereitete mir die Anfrage etwas Kopfzerbrechen. Aber je kniffliger die Aufgabe ist, desto spannender finde ich sie. Ich fand die Leitsätze sehr gut, aber sie sind recht verkopft. Doch ich bin überzeugt, dass man den Kindern jedes Thema näher bringen kann.

Kinderbuch für Leitsätze

«Von Gott bewegt. Den Menschen verpflichtet.» – Das ist die Vision, die sich die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn zum Reformationsanlass im Jahr 2017 gegeben haben. Im 2021 erschienenen Bilderbuch «Bejuso, was krähst du so?» bringt Andrew Bond Kindern näher, was diese Vision mit ihren sieben Leitsätzen im Lebensalltag bedeuten kann. Die Illustrationen stammen von Stefan Frey. (bat)

Soll das Buch den Kindern helfen, sich besser im Leben zurechtzufinden?
Nein. Ich finde nicht, dass man Kinder mit einem Buch auf das Leben vorbereiten muss. Sie sind schon mittendrin. Man muss mit ihnen über das Leben diskutieren. Das Buch kann dazu einen Beitrag leisten, weil es sowohl alleine gelesen werden kann als auch als Vorlesebuch funktioniert.

Zurzeit erleben Kinder mit der Corona-Pandemie keine einfache Zeit. Jetzt, wo Sie wieder Konzerte spielen können: Wie erleben Sie die Kinder an Ihren Konzerten?
Nicht weniger ausgelassen als vor der Pandemie. Viele haben gesagt, dass Corona eine zerstörte Jugend hinterlassen wird. Ich bin da anderer Meinung. Klar, ich will die unschönen Seiten, wie die Zunahme an Gewalt im Lockdown, nicht verharmlosen. Aber die Kinder sind resilienter, als wir Erwachsenen glauben. 

Andrew Bond hat auch einen offiziellen Song zum Buch geschrieben: