«Hitler-Glocke» soll nicht mehr läuten

Die umstrittene Glocke im pfälzischen Herxheim am Berg soll verstummen. Dies hat der Vorstand der evangelischen Kirchgemeinde beschlossen. Die Glocke mit der Inschrift «Alles für's Vaterland Adolf Hitler» wird nicht mehr für den liturgischen Gebrauch genutzt.


Der Vorstand der evangelischen Kirchgemeinde Herxheim habe beschlossen, die umstrittene Glocke nicht mehr für den liturgischen Gebrauch zu nutzen, teilte die pfälzische Landeskirche mit. Auch der Gemeinderat von Herxheim hat sich dafür ausgesprochen, das viertelstündige Schlagen der Glocke einzustellen. Noch nicht entschieden ist allerdings, ob die Glocke abgehängt wird.

Organistin entdeckt Hakenkreuz-Gravur

Seit Wochen erregt die 1934 gegossene Glocke mit dem Hakenkreuz und der Aufschrift «Alles für’s Vaterland – Adolf Hitler» in dem rund 750 Einwohner zählenden Herxheim am Berg in der Pfalz die Gemüter. Eine Organistin aus dem Nachbardorf entdeckte die Gravur und wandte sich an die Lokalpresse.

Den ehrenamtlichen Bürgermeister des kleinen Ortes hat die Debatte um die Glocke gar sein Amt gekostet. Gegenüber Medien hatte er gesagt, er sei stolz auf die Glocke. Ausserdem hatte er beklagt, dass Hitler immer nur mit Gräueltaten in Verbindung gebracht werde, nicht jedoch mit Sachen, die bis heute genutzt würden.

NPD-Aufmarsch trifft auf Gegendemonstration

Gegen einen von der rheinland-pfälzischen NPD organisierten Aufmarsch für den Erhalt der «Hitler-Glocke» am 9. September formierte sich Widerstand. Gut 200 Menschen versammelten sich in einer Gegendemonstration. Dazu aufgerufen hatten mehrere demokratische Parteien und Organisationen. Mit etwa zehn Teilnehmern demonstrierte die regionale NPD für den Verbleib der umstrittenen Glocke im Turm der evangelischen Jakobskirche.

Zunächst hatte der Ort erwogen, den Kirchturm zu schliessen, um den Zugang zur Glocke zu verhindern. Der Zentralrat der Juden hatte gefordert, die Glocke abzuhängen und ins Museum zu stellen. Mittlerweile hat der Gemeinderat für das weitere Vorgehen ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob die Glocke unter Denkmalschutz steht. Wie die Neue Zürcher Zeitung am 11. September berichtete, erhielt die örtliche Kirchgemeinde bereits ein Kaufangebot für die Glocke, unterzeichnet mit «völkischen Grüssen». (epd/su)