Graubünden

Wieso die Autobahnkirche im Stau steckt

Die Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron wollen in Andeer eine Autobahnkirche mit offenem Dach bauen. Aus zwei Gründen verzögert sich das Bauprojekt. Demnächst könnten wegweisende Entscheide fallen.
So soll die Autobahnkirche bei Andeer dereinst aussehen. (Visionalisierung: Herzog & de Meuron)

Eigentlich sollte die Autobahnkirche im bündnerischen Andeer mittlerweile gebaut sein. Zumindest, wenn es nach den 2020 präsentierten Plänen der beiden Star-Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron geht. Aktuell heisst es auf der Website des Bauprojekts aber: «Es wäre ein grosser Erfolg, wenn der Rohbau bis Mitte 2027 erstellt werden könnte.»

Zur Erinnerung: Die Autobahnkirche soll Reisenden Raum für Stille und Spiritualität bietet. Der unterirdische Teil ist laut den Architekten visuell einem Ohr angeglichen. Der von aussen sichtbare Teil der Kirche besteht aus vier Betonelementen mit einem nach oben offenen Turm. Aus zwei Gründen kommt das Projekt bisher nicht voran: Die erste Hürde sind Vorgaben der Raumplanung, zum zweiten Hindernis später.

Die Parzelle, auf der die Kirche gebaut werden soll, muss umgezont werden. Die Revision der Ortsplanung der Gemeinde Andeer läuft: Just am (kommenden) Mittwoch, 29. Oktober 2025, wird an einer Gemeindeversammlung darüber abgestimmt.

Kritik an neuen Parkplätzen

Zu reden geben dürfte das Geschäft auf jeden Fall. Denn: Im Vorfeld der Gemeindeversammlung gab es Änderungsanträge zur Autobahnkirche. Diese sind laut Bauamtsleiter Mattias Moser nicht öffentlich einsehbar. «Generell kann man sagen, dass sie aus landwirtschaftlichen Kreisen stammen und sich um die neuen Parkplätze drehen.»

Im Rahmen der geplanten Umzonung gibt es einen Erschliessungsplan, der den Bau einer Parkierungsanlage südlich der Kirche vorsieht. Dadurch wäre der Neubau über einen Fussweg von Süden her erreichbar.

Das Innere der Kirche soll an eine Ohrmuschel erinnern. (Visualisierung: Herzog & de Meuron)

Laut den Unterlagen zur Gemeindeversammlung würden die Projektverantwortlichen landwirtschaftliche Kompensationsflächen eruieren. Zudem seien Gespräche mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) im Gange. Laut der Stiftung Autobahnkirche Andeer dürfe angenommen werden, dass das Astra den Kirchenbau akzeptiere.

Unabhängig davon, wie die Abstimmung ausgeht: Nach der Gemeindeversammlung läuft eine 30-tägige Einsprachefrist, der Kanton muss die Ortsplanung anschliessend genehmigen. «Wie lange das dauert, ist die grosse Unbekannte», sagt Moser.

Sobald die Umzonung rechtskräftig ist, soll das Baugesuch eingereicht werden, sagt Martin Cantieni, Vizepräsident des Stiftungsrats «Autobahnkirche», auf Anfrage von ref.ch. Dies obwohl – oder gerade weil – noch Geld für den Bau fehlt: «Wir glauben, dass uns eine rechtskräftige Baubewilligung helfen wird, den restlichen Betrag zu beschaffen.»

Landeskirchen zahlen mit

Das ist der zweite Grund für die Verzögerungen beim Bau: Aktuell geht man laut Cantieni von Baukosten in der Höhe von rund acht Millionen Franken aus. Je nach Variante, die bezüglich des Parkplatzes gewählt werde, sowie einer allfälligen Bauteuerung könnte sich der Betrag allerdings noch erhöhen. Bisher hat man aber erst die Hälfte des Betrags beisammen, also rund vier Millionen Franken, wie das romanische Magazin «Revista digl noss Sulom» diesen Sommer berichtete.

Der Kanton Graubünden und die evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden sowie die katholische Landeskirche Graubünden hatten mit einem Beitrag von 400’000 Franken den finanziellen Grundstein gelegt. Die Katholische Kirche im Kanton Zürich unterstützte das Vorhaben mit weiteren
50 000 Franken, wie aus einem Gesuch von 2021 hervorgeht.

Auf der Webseite sind zudem Spenden von Reformierten Landeskirchen und Kirchgemeinden aus St. Gallen, Schaffhausen, Obwalden, Glarus, Thurgau, Zürich aufgeführt.

Insgesamt habe man rund 200'000 Franken von Landeskirchen in neun Ost- und Zentralschweizer Kantonen erhalten. «Da wir uns als ökumenisches Projekt verstehen, freuen wir uns, dass wir sowohl von reformierter wie von katholischer Seite Unterstützung erfahren haben», sagt Cantieni.

Nur wenig Unterstützung von Stiftungen

Die Mittelbeschaffung harzt laut dem Vizepräsidenten an einem anderen Ort: «Leider haben uns bisher erst wenige Stiftungen unterstützt.» Die konkreten Gründe kenne man nicht, da ablehnende Entscheide nicht begründet sein müssten.

«Meistens lautet die kurze Antwort, dass wir ein tolles Projekt verfolgen, dieses jedoch nicht mit der aktuellen Förderstrategie der Stiftung übereinstimmt», sagt Cantieni. Um an Stiftungen zu gelangen, hatte sich ein illustres, 27-köpfiges Patronatskomitee gebildet. Gespickt mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Tourismus.

Trotz des bisher ernüchternden Fundraisings bleibt Cantieni optimistisch: «Eine Kirche baut man für die Ewigkeit.» Anders als bei einer Schule oder einem Spital gebe es keinen im Voraus festgelegten Bezugstermin. Somit falle ein Jahr Verzögerung nicht ins Gewicht. «Trotzdem freuen wir uns über jeden Meilenstein, den wir früher als später erreichen.»

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