Hahnenburger statt Petflasche

Sogenannte «blue communities», zu denen etwa die Stadt Bern gehört, setzen sich für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser ein. Sie sind überzeugt, dass das Thema auch die Schweiz etwas angeht.

Alle sollen Zugang zu Wasser haben: Dafür setzt sich die Initiative «blue community» ein. (Bild: zVg)

Wasser ist kostbar. Daran denkt man meist nicht, wenn man den Leitungshahn aufdreht und sauberes Wasser heraussprudelt. Weltweit haben allerdings 663 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dies ruft jedes Jahr der Weltwassertag am 22. März in Erinnerung.

Auch in der Schweiz gibt es Organisationen und Institutionen, die sich einem nachhaltigen Umgang mit Wasser verschrieben haben: sogenannte «blue communities». Die Universität und die Stadt Bern haben schon vor dreieinhalb Jahren die Selbstverpflichtung unterzeichnet, die vom Council of Canadians, einer kanadischen Organisation für soziale und ökologische Gerechtigkeit, lanciert wurde. Sie setzen sich dafür ein, dass die Wasserversorgung Aufgabe der öffentlichen Hand bleibt.

Bern trinkt Hahnenwasser

In der Berner Stadtverwaltung wird seither ausschliesslich Hahnenwasser ausgeschenkt. Auch der Gemeinderat unterstützt die Idee und verzichtet in seinen Sitzungen weitgehend auf Flaschenwasser. Denn schliesslich brauchen Abfüllung, Verpackung und Transport von Flaschenwasser bis zu tausend Mal mehr Energie als die Verteilung der gleichen Menge Leitungswasser. Regula Buchmüller, Abteilungsleiterin Aussenbeziehungen und Statistik der Berner Präsidialdirektion, sagt: «Flaschenwasser ist bei uns nicht verboten. Aber wir möchten dafür sensibilisieren, dass Leitungswasser aus ökologischen, ökonomischen und ethischen Gründen sinnvoller ist.»

Wasser ist keine Privatsache

Wasser ist ein öffentliches Gut, das allen gehört und in der Verantwortung aller liegt – dieser Kerngedanke steht im Zentrum der «blue communities». Weltweit sei der Handel mit Wasser jedoch ein lukratives Geschäft, erklärt Lisa Krebs von der Fachstelle OeMe der Reformierten Landeskirchen Bern-Jura-Solothurn, die interessierte Städte, Hochschulen und Institutionen auf dem Weg zur «blue communitiy» begleitet. In Ländern des Südens würde die öffentliche Wasserversorgung oft privatisiert. Insbesondere ärmere Bevölkerungsschichten hätten keinen Zugang mehr dazu.

Der Wasserverbrauch hierzulande ist mit 162 Litern pro Person und Tag im europäischen Vergleich hoch. Das ist allerdings nur ein kleiner Teil des gesamten Verbrauchs, denn in beinahe allen Gütern des täglichen Bedarfs, die aus dem Ausland importiert werden, steckt Wasser drin.

Unsichtbares Wasser

Wie eine Studie des WWF und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) 2012 gezeigt hat, verstecken sich beispielsweise in einem Kilo Rindfleisch 16’000 Liter Wasser. 200’000 bis 400’000 Liter fallen bei der Produktion eines Autos für Stahl, Textilien und Gummi an. Wenn das sogenannte virtuelle Wasser mitgerechnet wird, liegt der Verbrauch in der Schweiz bei 4200 Litern pro Person pro Tag. 82 Prozent davon stammen aus dem Ausland – und zwar auch aus Regionen, in denen Wassermangel oder Konflikte ums Wasser herrschten, betont Lisa Krebs. Sie ist überzeugt: «Auch uns im Wasserschloss Schweiz gehen diese Probleme im Süden etwas an.»

 

Sabine Schüpbach/reformiert.

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».