Gesellschaft Minderheiten pocht auf Pflicht für Muslim-Grabfelder

Muslimen in der Schweiz muss die Möglichkeit gegeben werden, ihre Toten nach ihren eigenen Riten zu bestatten. Das hält die Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) in einer Informationsbroschüre fest, die sie allen Deutschschweizer Gemeinden zukommen lässt.

Ein muslimisches Grab in Chenab Nagar, Pakistan
Ein muslimisches Grab in Chenab Nagar, Pakistan (Bild Ceddyfresse_CC BY-SA 3.0)

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik (BFS) gehörten 2012 4,9 Prozent der über 15-Jährigen in der Schweiz einer islamischen Glaubensgemeinschaft an. Hochgerechnet auf die derzeit rund 8 Millionen Einwohner dürften somit ungefähr 400’000 Muslime im Land leben.

«Muslime sind Arbeitskräfte, Steuerzahler und Konsumenten», heisst es in der am Dienstag den Medien zugestellten Broschüre der GMS. Der Wunsch der Muslime nach eigenen Gräberfeldern werde dringender, denn: «Die muslimische Bevölkerung wird älter.» Besonderes Gewicht erhalte die Frage der Gräber für in der Schweiz verstorbene Kinder.

Die GMS unterstützt deshalb Muslime, die sich in ihren Wohngemeinden mit Unterschriftensammlungen für Grabfelder einsetzen. Rechtliche Hindernisse für die Errichtung muslimischer Grabstätten gebe es nicht mehr, hält sie fest und verweist dabei auf einen Entscheid des Bundesgerichts und Bestimmungen im Kanton Zürich.

Die Gemeinden im Kanton Zürich haben gemäss den Angaben seit 2001 die Kompetenz, auf ihren Friedhöfen nach Konfessionen räumlich abgetrennte Grabfelder einzurichten. 2004 wurde in Zürich-Witikon ein Friedhof für Muslime eröffnet, nach jahrelangen Bemühungen.

Erdbestattungen nach islamischem Ritus – das Gesicht der Verstorbenen blickt nach Mekka und das Grabfeld ist umfriedet – sind seither möglich. Doch auch die Muslime gingen Kompromisse ein: Die «ewige Grabesruhe» wird ihnen nicht gewährt. Bestattungen ohne Sarg sind verboten.

Hätten Muslime keine Möglichkeit, Angehörige nach ihren Riten zu bestatten, seien sie faktisch gezwungen, ihre Toten ins Herkunftsland zurückzubringen, schreibt die GMS. Pro Rückführung koste das im Durchschnitt rund 10’000 Franken.

Die GMS hat am Beispiel von Schlieren ZH und den rund 3000 in dieser Zürcher Agglomerationsgemeinde wohnenden Muslime eine Hochrechnung erstellt: Jährlich müsste diese Diaspora demnach für Rückführungen von Verstorbenen in die Heimat 375’000 Franken auslegen. Im Juni 2013 lehnte das Schlieremer Gemeindeparlament die Errichtung eines muslimischen Gräberfeldes ab.

Grabfelder in mehreren Städten

Beim Schweizerischen Gemeindeverband ist die Frage der muslimischen Gräberfelder zurzeit kein Diskussionsthema, wie die stellvertretende Direktorin Maria Luisa Zürcher sagt. Die sorgfältig gemachte neue Broschüre könne den Gemeinden eine nützliche Hilfe sein. «Sie zeigt den Gemeinden auf, wie das Grundrecht auf eine schickliche Bestattung vor Ort umgesetzt werden kann.»

Muslimische Friedhöfe oder Grabfelder gibt es neben Zürich unter anderem in Basel, Bern, Biel, Thun, Luzern, Olten, Liestal, Genf, Lugano, La Chaux-de-Fonds NE und in Winterthur, wie es in einem 2013 veröffentlichten Bericht des Bundesrates heisst.

GMS