Geschäftsprüfer fordern Kostendach für externe Experten

Der Einsatz von externen Beratern wie im Fall der Kirchgemeinde Fällanden kann hohe Kosten verursachen. Dem wollen die Geschäftsprüfer der Zürcher Landeskirche nun einen Riegel schieben.

Die Schlichtung eines Konflikts durch einen externen Berater kommt die Kirchgemeinde Fällanden teuer zu stehen. Bild: Reformierte Kirche Fällanden.
Die Schlichtung eines Konflikts durch einen externen Berater kommt die Kirchgemeinde Fällanden teuer zu stehen. Bild: Reformierte Kirche Fällanden. (Bild: Google Street View)

Im Frühling 2017 wurde in der Kirchgemeinde Fällanden ein externer Berater als Interimspräsident eingesetzt. Nun gibt dessen Honorar zu reden: Für eine Auf­gabe, die einem 20-Prozent-Pensum entsprach, verrechnete er der zerstrittenen Kirchgemeinde 2017 einen Betrag von 220’000 Franken. Eingesetzt wurde der Interimspräsident allerdings vom Zürcher Kirchenrat im Rahmen einer Adminis­trativmassnahme. Nun verlangt die Geschäftsprüfungskommission (GPK) der Landeskirche, dass der Kirchenrat das Vorgehen in solchen Fällen erklärt.

Die Kommission habe die Exekutive schon Anfang Jahr auf die hohen Beraterkosten angesprochen, sagt GPK-Präsident Bruno Kleeb gegenüber dem Magazin bref. «Wir finden nicht gut, dass jemand Rechnungen in scheinbar unkontrollierter Höhe stellen kann.» Die GPK wolle nun mehr Transparenz über die Abläufe und Bedingungen, wenn die Landeskirche Sachverwalter oder Interimspräsidenten einsetze. Schliesslich seien es die Kirchgemeinden, die für die Kosten aufkommen müssten.

«Es geht auch um den Ruf der Kirche»

An der Synode vom 3. Juli forderte Andrea Widmer-Graf im Namen der GPK ein Kostendach für solche Einsätze. In einer schriftlichen Anfrage an den Kirchenrat stellt die GPK grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Interimspräsidien und Sachverwaltern. So geht es unter anderem um Abläufe, Auswahlkriterien und die Rechtsgrundlagen. Diese Fragen werde der Kirchenrat in den nächsten Wochen beantworten, sagt Präsident Michel Müller. Die GPK hat auch den Ruf der Kirche im Blick: «Wir wollen künftig Reputa­tionsschäden verhindern», sagt Bruno Kleeb in Anspielung auf einen kritischen Artikel im Tages-Anzeiger. Darin rechtfertigte die Kirche die Kosten mit der Komplexität des Falls Fällanden und der Selbständigkeit des Beraters. Dieser müsse selbst für seine Sozialkosten und die Infra­struktur seiner Firma aufkommen.

«Kirchgemeinde trägt selbst die Verantwortung»

Für Kleeb sind diese Gründe nur bedingt nachvollziehbar. Bei kurzfristigen Einsätzen sei der Kostenansatz noch im Verhältnis. «Es ist jedoch ein Affront gegenüber allen ehrenamtlichen Kirchenpflegepräsidenten, wenn jemand über lange Zeit so ein Honorar bezieht und der Konflikt dennoch nicht gelöst wird.»

Müller dagegen weist auf die Probleme einheitlicher Bedingungen hin. Man müsse von Fall zu Fall unterschiedliche Massnahmen ergreifen. Dabei sei die Kirche an die rechtlichen Grundlagen gebunden. Es sei zum Beispiel schwierig, eine ganze Kirchenpflege zu entlassen. In der Antwort an die GPK werde der Kirchenrat aufzeigen, was man eventuell anders machen könnte. Ob das besser oder billiger sei, könne der Kirchenrat nicht beurteilen. «Letztlich trägt jede Gemeinde selbst die Verantwortung, ob sie ihre Konflikte in den Griff kriegt», sagt Müller. Gravierende Konflikte seien zum Glück selten, deshalb würden sie aber besonders auffallen.

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.