USA

Geldstrafen für campierende Obdachlose

Eine Stadt in Oregon kann Bussen vergeben an Obdachlose, die in der Öffentlichkeit campieren. Das Oberste Gericht muss darüber befinden – sein Urteil kann folgenreich sein für die geschätzten 650’000 Menschen in den USA ohne festes Zuhause.

Das Oberste Gericht der USA hat sich mit Anordnungen einer Kleinstadt im Bundesstaat Oregon zur Obdachlosigkeit befasst. Die rund 40'000 Einwohner zählende Stadt Grants Pass sieht Geldstrafen für Menschen ohne festen Wohnsitz vor, die im öffentlichen Raum campieren.

Anwälte der Obdachlosen machten geltend, Geldbussen für Wohnungslose seien eine verfassungswidrige «grausame und ungewöhnliche» Strafe. Grants Pass habe keine Obdachlosenheime. Die meisten unfreiwillig Obdachlosen seien daher zum Übernachten im Freien gezwungen.

Die Vorschriften seien nicht spezifisch gegen Obdachlose gerichtet, sagte die Anwältin der Stadt. Das Gericht äusserte die Vermutung, mit den Vorschriften wolle die Stadt Obdachlose vertreiben.

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden erklärte in einem Antrag, Gesetze gegen das Übernachten im Freien und in Zelten seien verfassungswidrig, wenn sie sich gegen Obdachlose richteten, die keinen Zugang zu einer Übernachtungsstelle haben. Verbote seien möglicherweise zulässig, wenn nachweislich Unterkünfte zur Verfügung stehen. Das Bestreben der Städte sei berechtigt, «Parks, Gehsteige und andere Räume in sauberem und ungefährlichen Zustand zu erhalten». In mehreren Städten, darunter Washington D.C., hat die Polizei Obdachlosenlager geräumt.

Das Urteil wird im Juni erwartet. Nach Darstellung des Fachdienstes «scotusblog.com» dürfte es einen «bedeutenden Einfluss» auf andere Städte haben, die in den vergangenen Jahren angesichts der steigenden Zahl von Obdachlosen ähnliche Vorschriften erlassen haben. Laut dem US-Ministerium für Bau und Stadtentwicklung leben in den USA rund 650'000 Menschen ohne ein festes Zuhause. (epd/ dst)