Geflüchtete aus der Ukraine sind arbeitswillig
Menschen, die in der Schweiz Schutz gesucht haben vor dem Krieg in der Ukraine, möchten gern mehr arbeiten. Das zeigen die Resultate einer Umfrage, die die Berner Fachhochschule im Auftrag des Staatssekretariats für Migration (SEM) im Herbst 2022 durchgeführt hat. Wie das SEM am Montag mitteilte, wurden 8000 16- bis 59-Jährige online angeschrieben. Rund 2000 von ihnen beantworteten die Fragen.
15 Prozent gaben an, in der Schweiz eine Erwerbsarbeit zu haben. 36 Prozent waren auf Stellensuche, und noch einmal 36 Prozent zeigten sich am Arbeiten in der Schweiz interessiert, wie es in der Mitteilung heisst. 27 Prozent nahmen an einem Beschäftigungsprogramm oder an einer Ausbildung teil.
Unterstützung wünschten sich die Schutzsuchenden insbesondere bei der Suche nach einer Stelle und bei der sprachlichen Ausbildung. In diesen Bereichen unterstütze der Bund bereits Angebote der Kantone, schreibt das SEM. Diese würden weitergeführt und verbessert.
Arbeitspensum von 70 Prozent
Ukrainerinnen und Ukrainer, die mit Schutzstatus S in der Schweiz leben, verdienten im Mittel 4477 Franken im Monat. Es handelt sich um den durchschnittlichen Monatslohn, also ein Zwölftel des Brutto-Jahreslohns für ein Vollpensum. Rund 12 Prozent der Menschen mit Schutzstatus S verdienten über 5000 Franken.
Das ergab eine Auswertung der Kantone für die Monate Juli bis September 2022. Diese Zahlen zeigten auch, dass die Schutzsuchenden im Mittel ein Arbeitspensum von 70 Prozent hatten. Knapp die Hälfte (46 Prozent) arbeiteten Vollzeit. 98 Prozent waren angestellt und 2 Prozent beruflich selbstständig.
Meistens mit guter Ausbildung
Angaben machten die Ukrainerinnen und Ukrainer in der Umfrage auch zu ihren beruflichen Qualifikationen. Die allermeisten sind demnach gut ausgebildet. 94,5 Prozent gaben an, über eine nachobligatorische Ausbildung wie zum Beispiel eine Berufslehre zu verfügen. 70 Prozent verfügten über einen tertiären Abschluss, etwa ein Studium.
Die unter den Menschen mit Status S am häufigsten vertretenen Berufsfelder sind «Wirtschaft, Verwaltung und Recht» sowie «Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Bau». Die Befragung bestätige damit Erhebungen bei Schutzsuchenden, die sich über die Online-Plattform RegisterMe anmeldeten, so das SEM.
Die meisten Geflüchteten aus der Ukraine arbeiten gemäss der Erhebung im Gastgewerbe, in den Sektoren Planung, Beratung und Informatik, im Unterrichtswesen und in der Landwirtschaft. Auch im Bereich «persönliche Dienstleistungen» sind viele von ihnen tätig.
40 Prozent der Schutzsuchenden gaben an, in Englisch das meiste verstehen und sich gut mündlich ausdrücken zu können, wie das SEM schreibt. Jüngere hätten deutlich bessere Sprachkenntnisse als Ältere. (sda/bat)