Krieg im Nahen Osten

Experten warnen vor Hungersnot

Angesichts der humanitären Krise im Gazastreifen warnt die UN-Ernährungsorganisation FAO vor einer Hungersnot und dem Zusammenbruch der Landwirtschaft. Sie fordert die sofortige Wiederherstellung humanitärer Zugänge.

Im Gazastreifen spitzt sich die humanitäre Lage weiter zu. Seit mehr als zwei Monaten lässt das israelische Militär keine Hilfslieferungen mehr in die Region. Die Streitkräfte werfen der palästinensischen Terrororganisation Hamas vor, die Hilfsgüter zu überhöhten Preisen an die notleidende Bevölkerung zu verkaufen und mit den Einnahmen ihre Kämpfer und Waffen zu bezahlen.

Angesichts dieser Lage warnt die UN-Ernährungsorganisation FAO vor einer Hungersnot und dem Zusammenbruch der Landwirtschaft. Die Organisation stützt sich auf eine aktuelle Studie der sogenannten IPC-Initiative für die Analyse von Nahrungskrisen. Dem Bericht zufolge ist die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens – rund 2,1 Millionen Menschen – von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.

«Wenn wir nicht handeln, verstossen wir gegen das Recht auf Nahrung, das ein grundlegendes Menschenrecht ist», sagte der FAO-Generaldirektor Qu Dongyu. «Jede Verzögerung vertieft den Hunger und beschleunigt das Verhungern.» Die Exekutivdirektorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, Cindy McCain, erklärte: «Die internationale Gemeinschaft muss dringend handeln, um die Hilfslieferungen nach Gaza wieder in Gang zu setzen.»

Fast eine Viertelmillion Menschen in Katastrophenlage

Laut der sogenannten Integrated Food Security Phase Classification (IPC) lebten zwischen dem 1. April und dem 10. Mai rund 93 Prozent der Menschen im abgeriegelten Küstenstreifen unter Krisenbedingungen oder schlimmer. Die Initiative hat ein mehrstufiges System, nach dem es beurteilt, wie viele Menschen wie stark von Hunger betroffen sind. Die höchste Stufe 5 wird mit «Hungersnot-ähnlichen Zuständen» umschrieben. Etwa 244’000 Menschen, also rund zwölf Prozent der Bevölkerung, seien dieser Kategorie zuzuordnen.

Die IPC-Initiative wird von den UN genutzt und besteht aus verschiedenen UN-Organisationen und Hilfsgruppen. Für den Zeitraum bis Ende September erwartet die IPC, dass die gesamte Bevölkerung weiterhin unter akuter Nahrungsknappheit leiden wird.

Anbauflächen und Brunnen zerstört

Die FAO warnt vor dem fast vollständigen Zusammenbruch der Landwirtschaft in Gaza. Laut Satellitendaten seien rund 75 Prozent der Anbauflächen und über zwei Drittel der Brunnen zerstört. Eine neue Bewertung der landwirtschaftlichen Schäden sei bereits im Gange. Erste Ergebnisse deuteten auf eine weitere Reduzierung nutzbarer Flächen hin, so die FAO.

Auslöser des Krieges war das beispiellose Massaker am 7. Oktober 2023, bei dem Hamas-Terroristen und andere Islamisten rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere aus Israel in den Gazastreifen verschleppt hatten. Israel reagierte darauf mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden dabei mehrere zehntausend Menschen getötet. (sda/ dpa/ no)

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