Gandhis Asche gestohlen

Am 150. Geburtstag des indischen Unabhängigkeitskämpfers Mahatma Gandhi sind dessen sterbliche Überreste entwendet worden.


Während die Nation den 150. Geburtstag Mahatma Gandhis (1869-1948) beging, entfernten Unbekannte dessen sterbliche Überreste aus einem Denkmal in Zentralindien und beschmierten ein Bild des Nationalhelden mit dem Wort «Verräter». Dies meldete der Fernsehsender India Today am Donnerstag, dem 3. Oktober. Das Denkmal war nach der Ermordung Gandhis 1948 errichtet worden.

Für radikale Hindus ist Gandhi wegen seines Einsatzes für ein säkulares Indien eine Hassfigur. Nathuram Godse erschoss ihn nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit des Landes, weil er der Ansicht war, dass Gandhi bei der Teilung des Subkontinents die indischen Muslime auf Kosten der Hindus bevorzugt habe. Godse gehörte der hindunationalistischen Rashtriya Swayamsewak Sangh (RSS) an.

Gandhi hatte mit seinem gewaltfreien Widerstand die britische Kolonialmacht in die Knie gezwungen. Am 2. Oktober jährte sich seine Geburt zum 150. Mal.

Hardliner fordern Denkmal für Gandhi-Mörder

Die Ermordung von Gandhi galt jahrzehntelang als Schande für die Hindunationalisten. Seit Beginn der Regierung von Premierminister Narendra Modi 2014 ist jedoch eine Trendwende spürbar. Hindu-Hardliner fordern eine Statue für den Gandhi-Mörder und wollen den Hinduismus als Staatsreligion in der Verfassung verankern.

Etwa 80 Prozent aller 1,2 Milliarden Inder sind Hindus, doch das Land hat auch eine beachtliche muslimische Minderheit mit 13 Prozent. Darüber hinaus gibt es Christen, Buddhisten, Jainisten und Sikhs. (epd)