Angst und Unklarheit nach Osteranschlägen in Sri Lanka

Bis Montag sind alle katholischen Gottesdienste in Sri Lanka abgesagt. Die Anschläge vom Ostersonntag geben weiter Rätsel auf. So ist unklar, inwieweit Machtkämpfe in der Regierung dazu führten, dass Terrorwarnungen unbeachtet blieben.


Nach den Osteranschlägen von Islamisten mit mindestens 359 Toten hat die Polizei in Sri Lanka bislang mehr als 70 Menschen festgenommen. Unter den Inhaftierten ist auch der Gewürz-Milliardär Mohamed Ibrahim, wie Medien in Sri Lanka am 25. April berichteten. Zwei seiner Söhne hatten am Ostersonntag Selbstmordanschläge auf zwei Luxushotels verübt. Eine kleine Explosion vor einem Gericht östlich der Hauptstadt Colombo löste am 25. April kurzzeitig Panik aus. Zu Schaden kam offenbar niemand.

Der Erzbischof von Colombo, Kardinal Malcolm Ranjith, sagte aus Sicherheitsgründen alle Gottesdienste bis 29. April ab. Der Lutherische Weltbund in Genf rief Regierungen dazu auf, Gotteshäuser und andere Orte des Gebets zu schützen und dem wachsenden Extremismus in vielen Teilen der Welt entgegenzutreten.

Unklarheit über missachtete Warnungen

Laut Polizei befanden sich am Donnerstag im Zusammenhang mit den Anschlägen auf Kirchen und Hotels 76 Verdächtige in Haft. Die meisten von ihnen sollen Freunde oder Verwandte der neun Selbstmordattentäter sein. Fast alle Attentäter sollen aus relativ wohlhabenden Familien in Sri Lanka stammen und zum Teil im Ausland studiert haben. Unter ihnen war offenbar eine schwangere Frau.

Unklarheit herrscht, inwieweit der Machtkampf an der Staatsführung dazu geführt haben könnte, dass konkrete Warnungen vor einem Anschlag unbeachtet blieben. Am Mittwoch hatte Präsident Maithripala Sirisena den Polizeichef und den Verteidigungssekretär des Landes wegen des Versagens der Geheimdienste zum Rücktritt aufgefordert.

Indien hatte Sri Lanka mehrfach vor islamistischen Anschlägen auf Kirchen und die indische Botschaft über die Osterfeiertage gewarnt. Die Hinweise waren aber offenbar folgenlos geblieben. Regierungschef Ranil Wickremesinghe erklärte in einem Interview mit indischen Medien, es sei versäumt worden, darauf zu reagieren. Zwischen ihm und Präsident Sirisena besteht eine kaum verborgene Feindschaft.

«Neue Art von Terrorismus»

Bei den Anschlägen auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag waren mindestens 359 Menschen getötet worden, darunter 45 Kinder. Um die 500 Menschen wurden verletzt. Die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) bekannte sich inzwischen zu den Attentaten und veröffentlichte Fotos und Videos der mutmasslichen Selbstmordattentäter.

Die Regierung in Colombo hatte die Anschläge als eine «völlig neue Art von Terrorismus» bezeichnet. Sie macht die wenig bekannte lokale islamistische Terrorgruppe National Thowheeth Jamath (NTJ) dafür verantwortlich, die mit Hilfe eines internationalen Netzwerkes agiert habe. Der Gründer der Organisation, Zahran Hashim, war seit längerem als radikaler Prediger aufgefallen und von der muslimischen Gemeinschaft den Behörden als verdächtig gemeldet worden. Wo sich Hashim im Moment befindet, ist weiterhin unklar.

In Negombo, wo bei dem Attentat auf die St.-Sebastianskirche am Ostersonntag mehr als 100 Menschen starben, verliessen Hunderte pakistanische Flüchtlinge aus Sorge um ihre Sicherheit den Ort. Die Mitglieder der in Pakistan verfolgten muslimischen Ahmadiyya-Sekte sollen von den Behörden an einen sicheren Ort gebracht werden.

Sri Lankas Regierung blockierte weiter soziale Medien wie Facebook, Instagram und Whatsapp, um die Verbreitung von Gerüchten und Fake News zu stoppen. Mehr als 70 Prozent der 22 Millionen Einwohner der Insel sind Buddhisten, zwölf Prozent Hindus, zehn Prozent Muslime und gut sieben Prozent sind Christen. (epd)