Game-Tipp: Den Frieden im Nahen Osten simulieren

Das Serious-Game «PeaceMaker» will den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern fördern. Das Potenzial dazu hat es, auch wenn dem Spieler dafür nur eine Lösung zur Verfügung gestellt wird.

«PeaceMaker» ist eine Regierungs-Simulation zum Thema des Nahostkonflikts. Das Spielfeld ist die Karte von Israel und den palästinensischen Gebieten, wo die wichtigsten Städte, aber auch umstrittene Einrichtungen wie die Grüne Linie, der Schutzwall und die jüdischen Siedlungen im Westjordanland angezeigt werden. Die Spieler schlüpfen wahlweise in die Rolle des israelischen Premierministers oder des palästinensischen Präsidenten. In dieser Rolle werden rundenweise sicherheits-, staats- und sozialpolitische Entscheidungen getroffen und diplomatische Beziehungen zur Gegenseite gepflegt. In den meisten Runden treffen zudem Ereignisse ein, die durch mediale Bilder und Videos realer Vorkommnisse dargestellt werden. Die getroffenen Entscheidungen und die Ereignisse verändern jeweils die Zustimmung unter Israelis und Palästinensern zur eigenen Politik sowie die Stimmungen in der Öffentlichkeit und unter diversen israelischen und palästinensischen Fraktionen und Parteien, aber auch das Wohlwollen der UN, der USA und der arabischen Nationen. Das Ziel des Spiels ist die Realisierung des Friedens durch die Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung. Religion ist zwar kein vordergründiger Faktor in «PeaceMaker», doch lässt das Spiel immer mal wieder die Rolle der Religion in dem Konflikt erkennen: So wird deutlich, dass die extremistischen Kräfte beider Seiten ihr Handeln religiös legitimieren, und dass sowohl Israelis wie Palästinenser freien Zugang zu ihren heiligen Stätten wünschen, was wiederum zur politischen Strategie werden kann.

Nur eine «beste Lösung»

«PeaceMaker» ist in mehrerer Hinsicht ein bemerkenswertes Spiel. Es nahm nicht nur eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung und Anerkennung der Serious-Spiele als Lernspiel-Genre ein, sondern die Entwickler wurden auch hinsichtlich ihrer Botschaft aktiv: Sie erreichten, dass «PeaceMaker» in Israel auf beiden Seiten zur Förderung des Friedens verteilt und zum Fokus eines Bildungsprogramms für tausende Schüler und Studenten wurde. Doch kann ein Spiel wirklich den Frieden fördern? «PeaceMaker» bietet zumindest wichtige Voraussetzungen dazu: Die Kenntnis der unterschiedlichen Fraktionen, Haltungen und Handlungsoptionen im Konflikt, aber auch die Einsicht, dass das Ziel des Friedens nicht über Nacht und nicht durch einseitige Aktionen, sondern nur durch ständige Kommunikation und sorgfältiges Abwägen der Interessen verschiedener Gruppen erreicht werden kann. Diese Mechanik wurde in Zusammenarbeit mit Nahost-Experten umgesetzt. Dies spricht für die Relevanz des Spiels als Lernspiel, transportiert aber auch Vorannahmen, die nicht von allen geteilt werden: z.B. dass die beste Lösung die Zwei-Staaten-Lösung ist, oder dass die andere Seite grundsätzlich am Frieden interessiert ist.

Berührende Spielerfahrung

Mehr Offenheit für andere Möglichkeiten als die Zwei-Staaten-Lösung wäre wünschenswert gewesen, und die Hardliner-Aktionen führen zu schnell zum Game Over, ohne die Folgen für die jeweils andere Seite zu verdeutlichen. Spielerisch und steuerungstechnisch funktioniert «PeaceMaker» ganz ordentlich, auch wenn die Führung der Spieler etwas karg ausfällt – es gilt «learning by doing». Gut, lässt sich der unvermeidliche Frust über die mangelnde Kontrolle der Ereignisse mittels drei Schwierigkeitsstufen regulieren und die Konsequenzen der diversen Aktionen durch Berater etwas abschätzen. Auch wenn die realweltlichen Ereignisse in «PeaceMaker» im Jahr 2006 enden, ist das technisch etwas angestaubte Indie-Spiel unbedingt spielenswert. Nicht nur, weil das Thema bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüsst hat. Sondern auch, weil die knochenhart erkämpfte Annäherung der beiden Seiten vor dem realen Hintergrund eine besonders berührende Spielerfahrung ist.

 

Angaben zum Spiel
Peacemaker (ImpactGames 2007)
Plattformen: Windows XP/Vista/7; Mac OS X
Sprachen: Englisch, Hebräisch, Arabisch
Gratis-Download: Zur offiziellen Game-Webseite
Keine offizielle Alterseinstufung. Empfehlung des Autors: Ab 10 Jahren

 

Über den Autor
Oliver Steffen ist Doktorand am Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Between God Mode and God Mood» erforscht er die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.
Projekt «Between God Mode and God Mood»