Im Jahr des Herrn 1047 bedroht eine dunkle Macht die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Höllische Kreaturen treiben ihr Unwesen, die Menschen sind von Gott getrennt und die Verstorbenen verweilen in der Vorhölle und können nicht in den Himmel aufsteigen. Der Ritter Gabriel Belmont von der Bruderschaft des Lichts wird ausgesandt, um eine alte Prophezeiung zu untersuchen: Nur ein Ritter reinen Herzens kann zum Gefäss Gottes werden, um die sich erhebenden Schattenfürsten zu besiegen und die Erde wieder mit dem Himmel zu vereinen.
Kampf gegen Unterwelt-Kreaturen
Mit «Lords of Shadow» wurde die über zwanzigjährige «Castlevania»-Reihe aus Japan neu lanciert. Im Vordergrund steht nicht mehr der klassische Kampf der Belmont-Vampirjäger gegen Fürst Dracula, sondern, quasi als Prolog, Gabriel Belmonts Kampf gegen so manche Unterwelt-Kreaturen – Lykaner, Vampire und Nekromanten. Wie gehabt steht die Action im Vordergrund: Die Spieler steuern Gabriel aus der Schulterperspektive durch 3D-Levels, wo mit ausgefeilten Kampfkünsten massenweise Gegner besiegt und Erfahrungspunkte gesammelt werden, um damit noch mehr Kampftechniken freizuschalten. Tradition hat aber auch die religiöse Grundlage des Spiels: In «Lords of Shadow» tobt der Kampf in einer christlichen und europäisch-populärreligiösen Fantasiewelt, einem Europa des 11. Jahrhunderts, in dem gut und böse klar getrennt sind und das Heil sich in Gegenständen zeigte und endlos aufsummieren liess: Um die Höllenbrut effektiv zu bekämpfen, fährt Gabriel mit einem Arsenal kirchlicher Heilssymbole wie Weihwasser, Silberdolche und «Reliktkräfte» auf. Seine Hauptwaffe ist ein mehrmals aufrüstbares Kampfkreuz, geschmiedet aus den Nägeln, mit denen Märtyrer gekreuzigt wurden, aufgewertet mit einer in Weihwasser getauchten und gesegneten Kette – so versichert Gabriels Tagebuch, das fortlaufend die Geschichte aller Gegenstände und Feinde aufführt. Während solche Symboliken in der japanischen Populärkultur nicht viel mehr als ein vager Okzidentalismus und ein «Cool-Faktor» darstellen, wurden sie in den 1990er Jahren in den «Castlevania»-Spielen für den westlichen Markt aus Angst vor Kontroversen zensiert. Das aber sind tempi passati.
Spiel selbst auf leichtesten Schwierigkeitsstufen anforderungsreich
Heute präsentiert sich «Lords of Shadow» wie es ist – und kann damit überzeugen: Es schmeichelt den Sinnen mit einer aufwändigen Grafik, abwechslungsreichen Schauplätzen, sowie mit professionellen Synchronsprechern und einer orchestralen Musik, die die kosmische Tragweite der Ereignisse makellos einfangen. Die Zwischensequenzen sind nahtlos und grossartig inszeniert, nur die harten Kameraschnitte in den Spielzenen sorgen manchmal für Orientierungslosigkeit. Spielerisch wiederum wird nichts geschenkt: Das Spiel ist selbst auf der leichtesten Schwierigkeitsstufe anforderungsreich, die zahlreichen Schlagkombinationen (Kombos) erfordern taktisches und koordinatorisches Geschick – ein Gamepad empfiehlt sich auch für die PC-Version. Sinnvoll abgerundet wird das ausgeklügelte Kampfsystem durch die strategisch einzusetzende Licht- und Schattenmagie zum Schutz oder Angriff. Die Kämpfe in den zahlreichen linearen Missionen werden durch Logikrätsel, Geschicklichkeitseinlagen sowie knackige Boss-Kämpfe aufgelockert und durch die Tagebucheinträge und gefundenen Schriftrollen stimmungsvoll in den fiktionalen Mythos eingewoben. So ist «Lords of Shadow» ein würdiger «Castlevania»-Nachfolger, ein rasantes Actionspektakel und eine christlich-mythische Geschichte von Gut gegen Böse in einer religiös unzweifelhaften Fantasiewelt.
Angaben zum Spiel
Castlevania: Lords of Shadow (Mercury Steam/Kojima Productions/Konami)
Plattformen: Windows XP/Vista/7/8; PlayStation 3; Xbox 360
Sprachen: Englisch/dt. Untertitel
Offizielle Webseite: http://de.games.konami-europe.com
Preis: 39.90 (PC-Ladenversion, Ultimate Edition)
PEGI-Alterskennzeichnung: Ab 16 Jahren
Über den Autor
Oliver Steffen ist Doktorand am Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Between God Mode and God Mood» erforscht er die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.
Webseite des Projekts: www.god-mode.ch