Fraumünster
Mitarbeiterin wollte Schwangere während Gewitter wegweisen
Es kommt einem unweigerlich Maria und Josef in den Sinn, wenn man den Artikel im «Blick» liest: «Schutzsuchende Schwangere am Fraumünster abgewiesen», heisst es darin. Dem Artikel zufolge suchten eine Frau und ihr Mann während des heftigen Gewitters vom 19. Juni in Zürich Unterschlupf.
Zunächst am Seiteneingang des Fraumünsters. Der Mann schildert, wie ihm aufgrund des Windes und Regens das Atmen schwergefallen sei. «Meine Frau erlitt aufgrund der akuten Bedrohungssituation eine heftige Panikattacke mit Atembeschwerden und fing an zu weinen.» Also suchten sie im geöffneten Eingangsbereich des Fraumünsters Zuflucht.
Es war kurz vor 18 Uhr, die Mitarbeitenden des Fraumünsters bereiteten sich auf die Schliessung vor. Christian Schwarz, Sprecher der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich, sagt auf Anfrage von ref.ch: «Deshalb wurden Neuankommende gebeten, wieder zu gehen und Besucherinnen und Besucher darauf hingewiesen, dass wir gleich schliessen werden.»
Mitarbeiterin wies Ehepaar weg
Zunächst habe eine Mitarbeiterin die Notlage der schwangeren Frau erkannt und Verständnis gezeigt, schreibt der «Blick». Danach sei es jedoch zum Eklat gekommen: Eine andere Mitarbeiterin habe darauf bestanden, dass das Ehepaar die Kirche aufgrund der Schliessung verlassen müsse. Danach habe sie mit der Polizei gedroht, um den Rausschmiss durchzusetzen, so der Mann gegenüber «Blick».
Dazu kam es jedoch nicht. Laut Schwarz konnten sämtliche Personen im Fraumünster das Ende des Gewitters abwarten.
Schwarz zeigt aber Verständnis für den Unmut des Ehemannes: «Dass die Aufforderung, das Gebäude während eines gefährlichen Sturms zu verlassen, bei ihm auf Unverständnis gestossen ist, ist vollkommen nachvollziehbar.» Man habe sich bei ihm in aller Form entschuldigt und den Vorfall intern mit hoher Priorität behandelt. Umgehend seien organisatorische und schulische Massnahmen ergriffen worden.
Schwarz: Polizei sollte schlichten
Wie konnte es aber zu dieser Eskalation kommen? Schwarz erklärt: Die Mitarbeitenden waren für den Ticket- und Shopverkauf im Fraumünster zuständig und halten sich ausschliesslich im Innenraum der Kirche auf. «Sie konnten die Heftigkeit und Gefährlichkeit des Sturms nicht richtig einschätzen.»
Der Mann habe sich sehr bestimmt geweigert, die Kirche zu verlassen. Das habe die Mitarbeiterin verunsichert. Schon zu Beginn des Gesprächs habe der Mann erwähnt, man solle andernfalls die Polizei rufen. «Sie fühlte sich zunehmend überfordert und hatte schliesslich Angst vor der Situation und dem Mann.» Deshalb habe auch sie die Polizei ins Spiel gebracht, «da sie nicht mehr wusste, wie sie angemessen reagieren sollte». Die Beamten hätten laut Schwarz nicht das Ehepaar wegweisen, sondern den Streit schlichten sollen.
In der «Blick»-Kommentarspalte ist die Kritik an der Kirche gross, die fehlende christliche Nächstenliebe wird kritisiert. Schwarz sagt dazu: «Wenn eine Kirche offen ist und Personen bei einem hefigen Unwetter Schutz suchen, versteht es sich für uns von selbst, dass wir diesen Unterschlupf gewähren.» Das hätte auch in diesem konkreten Fall passieren sollen. «Dass dies nicht passiert ist, tut uns aufrichtig leid.» (gab)