Frauen beten häufiger als Männer

Über ein Drittel der Schweizerinnen betet nach eigenen Angaben täglich oder fast täglich. Bei den Männern ist es nur ein Fünftel.


Mit Beten sind die Frauen fleissiger als die Männer. Während über ein Drittel der Schweizerinnen nach eigenen Angaben täglich oder fast täglich betet, ist es bei den Männern nur ein Fünftel.

Die Frauen beten allerdings gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) nicht nur häufiger, sondern sind auch abergläubischer als die Männer: 58 Prozent der Frauen glauben an «Engel» und übernatürliche Wesen, etwa gleich viele vertrauen in Heiler und Hellseher. Bei den Männern sind es 15 bis 20 Prozentpunkte weniger.

Mehr als ein Viertel ohne Religionszugehörigkeit

Angaben machte das BFS auch zur Entwicklung der Religionszugehörigkeit. Bis in die 1980er Jahre haben noch über 90 Prozent der Einwohner der Schweiz einer der beiden Landeskirchen angehört. Heute sind es noch knapp 60 Prozent. Mehr als ein Viertel der ständigen Wohnbevölkerung über 15 Jahren ist mittlerweile ohne religiöse Zugehörigkeit.

Menschen mit Migrationshintergrund bezeichnen sich gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) öfter als religionslos als Schweizer. Stieg der Anteil der Atheisten und Agnostiker unter den Schweizern seit 1970 um 23 Prozentpunkte, waren es bei den Ausländern fast 30.

Zahl der Muslime nimmt leicht zu

Die Anteile der römisch-katholischen und der evangelisch-reformierten Landeskirchen haben zwischen 2010 und 2017 um drei beziehungsweise vier Prozentpunkte abgenommen. Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Angehörigen von muslimischen und verwandten Glaubensgemeinschaften um einen Prozentpunkt leicht zu.

Allerdings praktizieren Muslime von allen Religionsgruppen ihren Glauben am passivsten. «Nach den Konfessionslosen weisen die islamischen Gemeinschaften den grössten Anteil Personen auf, die angaben, in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung nie oder einmal pro Woche an einem Gottesdienst teilgenommen zu haben», schreibt das BFS.

Auch der Anteil der Personen, die in den zwölf Monaten vor der Befragung nie gebetet haben, liegt bei den Muslimen mit 40 Prozent höher als bei Protestanten und Katholiken, von denen ein Drittel respektive ein Viertel das Jahr über keinerlei Zwiesprache mit Gott gehalten haben.

Entscheidungshilfe an der Urne

Religiosität mag allgemein im Rückgang begriffen sein, gelegentlich aber gewinnt sie persönlich wieder an Wert: Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, dass sie eine wichtige Rolle spiele in seelischen Notlagen oder bei Krankheit. Auch bei der Beziehung zu Natur und Umwelt sowie der Kindererziehung greifen fast die Hälfte der Informanten auf Religion zurück.

Für ein Sechstel der Bevölkerung spielt Gottes Wort auch bei Abstimmungen und anderen politischen Fragen eine wichtige Rolle. Gleich viel Personen lassen sich bei ihrem Sexualleben davon leiten. (sda/bat)