80 Prozent der Schweizer behalten Konfession ihrer Eltern

Das Bundesamt für Statistik hat Religiosität und Weitergabe der Religion in der Schweiz untersucht – und bei den Konfessionstreuen eine gewisse Trägheit festgestellt.


Trotz zunehmender Abkehr von der Kirche und Hinwendung zu Lifestyle-Spiritualität bleiben Schweizerinnen und Schweizer ihrer Ursprungsreligion häufig treu: Etwa 80 Prozent haben dieselbe Religion wie ihre Eltern. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2014.

Die Konfessionstreue scheint allerdings auch einer gewissen Trägheit geschuldet. Denn von denen, die bei ihrer angestammten Religion bleiben, besuchen nur zwölf Prozent regelmässig Gottesdienste und ähnliche Veranstaltungen, während es bei den Konvertiten und Konvertitinnen 32 Prozent sind.

Der Wechsel der Glaubensrichtung ist demnach für viele ein ganz bewusst getroffener Entschluss, der mit reger religiöser Aktivität verbunden ist. Die Personengruppe, welche am häufigsten ihr spirituelles Heil anderswo sucht, sind gut ausgebildete Frauen im mittleren Alter, wie in der Publikation «Die Religion, eine Familiengeschichte?» des Bundesamts für Statistik (BFS) nachzulesen ist. In dieser Personengruppe wagen 22 Prozent den Schritt.

Je jünger, desto «untreuer»

Den grössten Zulauf an Sinnsuchern verzeichnen die sogenannten «anderen evangelikalen Gemeinden», beispielsweise Freikirchen, Täufer, Pfingst- und Endzeitgemeinden. Knapp die Hälfte ihrer Mitglieder gehörte in ihrer Kindheit keiner oder einer anderen Religionsgemeinschaft an. Bei Katholiken und Protestanten sind es nur sechs beziehungsweise neun Prozent.

Katholiken und Muslime bleiben am häufigsten bei der Religion ihrer Eltern – in beiden Gruppen etwa 84 Prozent. Bei den Protestanten sind es nur 74 Prozent. Je jünger jemand ist, desto häufiger zieht es ihn weg von der Glaubensrichtung der Eltern.

Konfessionslose sind drittstärkste Gruppe

Bei den 15- bis 24-Jährigen haben 27 Prozent eine andere Religion als die Eltern, mit höherem Alter sinkt der Anteil. Das BFS begründet das damit, dass Jüngere öfter gemischt-religiöse Eltern haben. Wenn beide Elternteile aus dem Ausland stammen, besteht eine grössere Chance, dass die Kinder konfessionslos aufwachsen, als wenn beide Eltern in der Schweiz geboren wurden.

Nach den Katholiken (38 Prozent) und den Protestanten (26 Prozent) stellen in der Schweiz die Konfessionslosen mit 22 Prozent die drittstärkste Glaubensgruppe. Bei 13 Prozent von ihnen waren schon die Eltern konfessionslos, bei 75 Prozent hatten die Eltern eine andere Konfession.

Für konfessionslose Eltern spielt Religion in der Erziehung häufig keine Rolle, zwei Drittel von ihnen wollen ihren Kindern andere Werte vermitteln, die nicht religiöser oder spiritueller Natur sind. Bei Eltern mit Konfession verzichtet ein Drittel auf eine religiöse Erziehung, ein weiteres Drittel erzieht bewusst nach den Grundsätzen seiner Konfession. (sda)