Fragmente einer mittelalterlichen Riesenbibel in Österreich gefunden

Zwei Bibliothekare haben im österreichischen Linz Seiten einer sogenannten Riesenbibel gefunden. Sie wurden als Einbände zweckentfremdet.


Bei einer «Abstaubaktion» haben Bibliothekar Friedrich Buchmayr und Ordensmann Clemens Kafka im Vorjahr in der Bibliothek des Stiftes St. Florian bei Linz in Österreich zwei neue Fragmente der sogenannten Riesenbibel entdeckt. Die Fragmente waren als Einbände für andere Bücher verwendet worden – eine nach dem Aufkommen des Buchdrucks nicht unübliche Form von Recycling, wie das Stift am 26. Juni berichtete.

Das erste Fragment mit einer Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer diente als Einband für eine Archivhandschrift der Pfarrei Schöndorf aus dem Jahr 1594. Das zweite, auf dem der Beginn des Buchs der Psalmen zu lesen ist, fand sich als Einband eines Predigtbuchs aus dem Jahr 1601.

Grösste handschriftliche Bibel Österreichs

Eine charakteristische Initiale des Buchstaben D liess den Verdacht aufkommen, dass die beiden Einbände aus der Riesenbibel stammen könnten. Es folgte eine monatelange wissenschaftliche Überprüfung, die nun Gewissheit lieferte. Die Riesenbibel von St. Florian wurde vermutlich zwischen 1140 und 1150 im Skriptorium des Klosters gefertigt und gilt mit ihrem Mass von 66 mal 48 Zentimetern als grösste mittelalterliche Handschrift Österreichs.

Ursprünglich dürfte sie drei Bände mit allen Büchern des Alten und Neuen Testaments umfasst haben. Erhalten blieb aber nur ein einzelner Band. Von etlichen verschwundenen Blättern waren bis zu dem aktuellen Fund nur zwei aufgetaucht; auch sie waren zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Einbandmaterial zweckentfremdet worden. (sda/bat)