Eine kleine Aargauer Gemeinde widersetzt sich im Herbst 2015 dem Verteilschlüssel des Bundes. Sie weigert sich, zehn Asylsuchende aufzunehmen. Damit man keine Unterkünfte zur Verfügung stellen muss, werden vorsorglich Gebäude im Dorf abgerissen, die dem Kanton gehören. Man bezahlt lieber 290’000 Franken aus der Gemeindekasse und kauft sich mit der Ersatzabgabe von der Verantwortung frei. Das Beispiel macht Schule im Kanton.
Regisseurin Sabine Gisiger lässt in ihrem Dokumentarfilm «Willkommen in der Schweiz» nicht nur den umstrittenen Gemeindepräsidenten zu Wort kommen, sondern auch die Vertreter einer Interessengemeinschaft, die sich für die Flüchtlinge stark macht sowie die Regierungsrätin des Kantons, die auch private Initiative zeigt.
Eine fragwürdige Schweizer Tradition
Sabine Gisiger veranschaulicht die Flüchtlingsdiskussion mit historischen Einspielern. Sie zeigt, wie sich diese Diskussion in der Schweiz ständig wiederholt und früher schon Massnahmen wie die Grenzschliessung für Juden im 2. Weltkrieg oder die Schwarzenbach-Initiative in den 70er-Jahren nach sich zog.
Zurück bleibt man mit der Erkenntnis, dass jede Tat eine Wirkung hat, die man unter dem Mantel der Neutralität zu verhüllen versucht. Und, dass Angst ein starker Motor ist, um diese Taten zu rechtfertigen. Für jede und jeden stellt sich die Frage, woher diese Angst vor «Unbekanntem» kommt und wie man mit ihr umgeht, in einer globalisierten Welt, die sich rasant verändert. (Sarah Stutte/medientipp.ch)
Sarah Stutte ist Filmjournalistin
«Willkommen in der Schweiz», Schweiz 2017, Regie: Sabine Gisiger, Verleih: Filmcoopi,
Kinostart: 19. Oktober 2017