Filmtipp: «The Harvesters»

«The Harvesters» erzählt die Geschichte zweier ungleicher Jungen im Milieu der religiösen Buren in Südafrika. Der Film ist nicht nur ein kraftvoller Coming-of-Age-Film, sondern auch ein nachdenklich stimmender Beitrag zur komplexen Klaviatur des Männlichkeitsbildes in Südafrika.

Der stille 15-jährige Janno lebt mit seinen Eltern und seinen drei kleinen Schwestern auf einer Rinderfarm in der südafrikanischen Provinz Free State. Die Gegend wird vorwiegend von Buren bevölkert, die zurückgezogen leben und streng religiös sind. Als der Vater eines Tages den heimatlosen Pieter als neues Familienmitglied vorstellt, führt dies zu Konflikten. Während Janno folgsam seine Arbeit verrichtet und seinen Glauben zelebriert, begehrt der etwa gleichaltrige Pieter auf und will sich nicht einfügen. Zwischen ihnen entsteht eine schwelende Rivalität um den Platz an einem Ort, an dem beide wie Fremdkörper wirken.

Diese moderne Kain und Abel-Version – das Spielfilmdebüt des griechisch-südafrikanischen Regisseurs Etienne Kallos – gewährt einen Blick in eine fremde, fiebrig brennende Welt. Unter dem unspektakulären Alltag, der von harter Arbeit geprägt ist, verbergen sich eine erschreckende Kälte und eine bedrohlich wirkende Religiosität.

Mithilfe seiner beiden jugendlichen Hauptdarsteller gelingt Kallos nicht nur ein kraftvoller Coming-of-Age-Film, sondern auch ein nachdenklich stimmender Beitrag zur komplexen Klaviatur des Männlichkeitsbildes in Südafrika. Darin fühlt sich Janno, der homosexuelle Gefühle für einen Jungen aus seiner Glaubensgruppe hegt, genauso verloren wie Pieter, der sich damit abgefunden zu haben scheint, nicht akzeptiert zu sein. Die weite trockene Landschaft spiegelt ihre emotionale Leere wider.

«The Harvesters», Südafrika 2018, Regie: Etienne Kallos, Besetzung: Brent Vermeulen, Alex van Dyk, Morné Visser, Verleih: Trigon, http://www.trigon-films.org

Kinostart: 30. Mai