Ernst Ostertag und Röbi Rapp gaben sich 2003 als erstes gleichgeschlechtliches Paar das Jawort in Zürich. Ihre Geschichte beginnt zur Zeit der Schwulenorganisation «Der Kreis», die in den 1950er-Jahren rauschende Feste gab und politische Diskussionen führte. Mit der gleichnamigen Zeitschrift publizierte sie erotische Zeichnungen, Fotos und Berichte über Homosexualität. Damit wurde «Der Kreis» zu einem wichtigen Sprachrohr, das die Schwulen aus der Isolation herauszuführen versuchte. Als sich Morde in der Zürcher Schwulenszene ereigneten, begann die Polizei hart durchzugreifen. Es folgten Razzien, Erpressungen und Blossstellungen. Ostertag und Rapp haben diese schwierige Zeit als Paar überstanden und weitergekämpft.
Ein Ja zur Liebe und zur Freiheit
Stefan Haupt erzählt die Geschichte der mutigen Liebenden anhand von fiktionalen Szenen, Interviewsequenzen, Fotos der Hauptfiguren und ihrer Familien, alten Ausgaben der Kreis-Zeitschrift und Archivaufnahmen. Diese Mischform beruht auf Beschränkungen und Vorgaben der filmfinanzierenden Gremien in der Schweiz. Doch statt zu verzagen hat Stefan Haupt mit viel Liebe zum Detail einen Film geschaffen, der den Protagonisten möglichst viel Raum gibt. Es sind Ostertag und Rapp, die den Film tragen und mit ihrer lebensbejahenden Haltung begeistern. Sie stehen für eine Befreiungsgeschichte, die heute so aktuell ist wie damals. Die Liebe zur Freiheit überwindet alle Hindernisse.
Charles Martig ist Filmbeauftragter beim Katholischen Mediendienst.
Diese Besprechung erschien im Medientipp. Herausgegeben wird dieser von den Reformierten Medien und dem Katholischen Mediendienst.
Zum «Medientipp» – Programm-, Film- und Medienhinweise zu Kirche, Religion und Gesellschaft
«Der Kreis» läuft ab 18. September in den Kinos.
Spielorte in der Schweiz
«Der Kreis», Schweiz 2014, Regie: Stefan Haupt; Besetzung: Matthias Hungerbühler, Sven Schelker, Anatole Taubman, Marianne Sägebrecht; Verleih: Ascot Elite, Zur Filmwebsite «Der Kreis»