Facelifting für 87 prächtige Heiligenbilder im Berner Münsterchor

«Himmlischer Hof»: So werden die 87 Skulpturen genannt, welche die Schlusssteine des Chorgewölbes im Berner Münster bilden. Dieses prächtige Ensemble unterzieht nun die Berner Münster-Stiftung mehr als 100 Jahre nach der letzten Restaurierung einem umfassenden Facelifting.

Chor des Berner Münsters. (Bild: Wikimedia)

In den nächsten zwei Jahren befreien Restauratorinnen und Restauratoren auf einem Gerüst das Chorgewölbe von Spinnweben, Staub und Dreck. Im Jahr 2017, just 500 Jahre nach der Fertigstellung dieses Gewölbes, soll die Decke des vordersten Münsterteils «nicht in neuem Glanz, aber in alter Würde» erscheinen. Das sagte der Vizepräsident der Berner Münster-Stiftung und Präsident des Münsterbaukollegiums, Jürg Schweizer, am Donnerstag an der Jahresmedienkonferenz der Stiftung. Er sprach von einem der reichsten und am meisten ausgeschmückten Chorgewölbe der spätgotischen Architektur in ganz Europa.

500 Jahre alte Originalbemalung

Bei den meisten der 87 Bildhauerarbeiten rund 25 Meter über dem Boden handelt es sich um die Darstellung von Heiligen. Hierarchisch gestaffelt beginnt die Reihe der Skulpturen aber im Osten mit einer Darstellung des Heiligen Geists, von Gottvater und Christus. Dann folgen die Vorfahren Christi, Apostel, Kirchenväter und Märtyrer. Mindestens acht Künstler haben sie gestaltet. Sie und die Räume zwischen den Gewölberippen sind mit Farben bemalt, die auch nach 500 Jahren noch die originalen sind. Eine so alte Originalbemalung ist laut Schweizer sehr selten. Unter den Malern befand sich auch der berühmteste Maler Berns jener Zeit, Niklaus Manuel Deutsch. Eingefasst werden die 87 Heiligenbilder von mehreren Bernerwappen und in der Mitte der Decke prangt in einer grossen, runden Aussparung ebenfalls ein grosser Bernerbär. Schweizer: «Die Wappen erklären mit aller Deutlichkeit, dass nicht die Kirche, sondern Bern, der grösste Stadtstaat nördlich der Alpen, Bauherr des Münsters war». In drei Schritten reinigen die Fachleute die Decke. Dabei verwenden die Restauratorinnen und Restauratoren unzählige kleine Schwämme, wie sich am Donnerstag bei einer Begehung für Medienschaffende zeigte. Es gelte, die Decke zurückhaltend, den Originalzustand möglichst respektierend zu reinigen, hiess es.

Zwei Millionen Franken wenden die evangelisch-reformierte Gesamtkirchgemeinde Bern, der Kanton, die Stadt, die Burgergemeinde Bern und der Bund für die Restaurationsarbeiten auf. Die Münster-Stiftung macht sich laut ihrem Präsidenten Arthur Liener Gedanken, ob und wenn ja wie die Restaurationsarbeiten mit Führungen einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden könnten.

Turm: Grossteil der Gerüste ist bald weg

Während im Innern des Münsters also ein neues Gerüst die Sicht auf den Chor versperrt, sind am Turm des Münsters in den letzten Tage bereits etliche Gerüstteile verschwunden. Bis Ende Jahr werden auch fast alle anderen abmontiert sein. Die Münster-Stiftung bestätigte damit am Donnerstag frühere Aussagen. Nur noch unterhalb und oberhalb des achteckigen Turmteils wird bis 2016 ein Etagengerüst verbleiben. Es dient dazu, die letzten Sanierungsarbeiten im Turminneren auszuführen. Ab dem Jahr 2017 werde wirklich kein Gerüst mehr den Blick auf den Münsterturm stören, sagte Schweizer – dies erstmals seit 1950 wieder und während der nächsten 25 Jahre. (sda)